5.Sonntag in der Osterzeit – Jeden Tag soviel wie ich benötige

Tageslesungen
Apg 14,21b-27 | Offb 21, 1-5a | Joh 13,31-33a. 34 – 35

Diese Woche war ich in Osnabrück und zum ersten Mal im Dom. In der Sakramentskapelle sah ich ein Relief mit einem Detail, das mich wegen der Geschichte immer wieder fasziniert. Die Geschichte vom Manna in der Wüste. Sie steht im Buch Exodus im 16.Kapitel.

Manna in der Wüste – Relief Dom Osnabrück

Damit wir nicht einfach drüber lesen, hier in der etwas ungewohnten Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig:

ER sprach zu Mosche: da, ich lasse Euch Brot vom Himmel regnen, ausziehen soll das Volk und lesen: die Tagesmenge an ihrem Tag, […] Aber am sechsten Tag soll es sein: wenn sie vorrichten, was sie einbringen, wird es ein Doppeltes sein gegen das, was tagtäglich sie lesen. […]

Aber am Morgen war eine Schicht Taus rings um das Lager, und als die Tauschschicht aufstieg, da war auf der Fläche der Wüste etwas Feines, Schuppiges, fein wie der Reif auf der Erde. Die Söhne Israels sahens und sprachen einer zum anderen: „Man hu“ – was ist das? Denn sie wussten nicht was es war. Mosche sprach zu ihnen: Das ist das Brot, das ER Euch zum Essen gegeben hat. Dies ists, was ER geboten hat: leset davon, jeder nach seinem es Bedarf, eine Metze (Anm. altes Hohlmaß etwa 1 – 2 Liter) auf den Kopf, nach der Zahl Eurer Seelen, hole jeder für die in seinem Zelt.

Die Söhne Israels taten so, sie lasen, der viel und der wenig, aber als sies mit der Metze Maßen, überschoß dem nichts, der viel las, und der wenig las, dem mangelte nichts, jeder nach seinem es Bedarf hatten sie gelesen.

Mosche sprach zu ihnen: „nimmer lasse jemand davon auf den Morgen übrig. Aber sie hörten nicht auf Mosche, sondern etliche ließen davon auf den Morgen übrig: es würmte Maden hervor und stank.[…]

Sie lasen es Morgen um Morgen, jedermann nach seinem Eßbedarf. (…) Doch am sechsten Tag geschah es, dass sie Brots ein Doppeltes lasen, zwei Metzen für einen. […] Die Söhne Israels aßen das Man 40 Tage, bis sie an besiedeltes Land kamen. (aus Exodus 16)

Gott speist das Volk in der Wüste – aber jeden Tag gibt es nur so viel, wie man zum Leben und Überleben braucht. Wer meinte, er könne die Speise vom Himmel („Man hu“ – heißt übersetzt: Was ist das?) horten, könne einen Vorrat anlegen, musste erleben, dass am Folgetag Würmer das Essen ungenießbar gemacht hatten.

Nur am sechsten Tag, dem Tag vor dem Shabbat, gab es die doppelte Menge, weil man am Shabbat nicht arbeiten, d.h. auflesen durfte.

Um was geht es? Um das Wunder in der Wüste? Letztlich geht es im Text um das Gottvertrauen. Ich muss keine Vorsorge treffen – Gott selbst wird das Überleben sicher stellen. Er wird mir soviel geben, wie ich brauche, um zu überleben. Ich gebe zu, das fordert mich heraus. Es fragt mich nicht nach einer vernünftigen Vorratshaltung, um etwa Lebensmittelengpässe zu überstehen.

Vielmehr geht es um die Frage: was brauche ich zum Leben? Und dazu zählt nicht nur der Einkauf im Supermarkt. Was horte ich alles in den Vorratskammern meines Lebens? Ist es das, was meiner Seele gut tut? Oder hat es eher einen üblen Geschmack, zerfressen von den Würmern der Eifersucht, des Neides, des Stolzes, der Überheblichkeit, des Profits – oder wie die die „Tiere“ sonst noch heißen?

Die Geschichte bewahrt mich auch davor, kein Ende zu finden in meinen Bemühungen. Auch der, der viel sammelte, hatte am Ende nicht mehr als der andere. Ich gestehe gerne, ich fand auch oft kein Ende bei der Arbeit – weil alles noch getan werden musste. Anderes und vor allem andere blieben auf der Strecke!

Und schließlich erzählt die Geschichte vom Werktag und vom Sonntag. Am sechsten Tag gab es so viel, dass der Sonntag geheiligt werden konnte. In diesem alten Text ist schon die Rede von einem sinnvollen Wechsel aus Arbeit und Muße, aus Arbeitstag und Feiertag.

An jedem Tag soviel wie ich zum Leben benötige – nicht nur aus der Hand Gottes, sondern auch in meiner Lebenshaltung! Die Vaterunser-Bitte „unser tägliches Brot gib uns heute!“ erinnert uns jeden Tag daran.

(c) Wilfried Schumacher

4.Ostersonntag – der Mantel des Hirten, der Hirtin

Tageslesungen
Apg 13,14.43b-52 | Offb 7,9.14b-17 | Joh 10,27-30

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.  Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. (Joh 10,27-28)

Heute ist der Sonntag des „Guten Hirten“. Lange Zeit hat man aus dem lateinischen Wort für Hirt „Pastor“ die Hirtensorge allein den Priestern zugesprochen. Und deshalb an diesem Sonntag für den Priesternachwuchs gebetet. Das ist notwendig und trotzdem etwas zu kurzgedacht.

Bei Antoine d. Saint Exupery fand ich ein Gebet, das in eine andere Richtung weist, einen weiteren Horizont eröffnet. Es greift das Bild vom weiten Mantel auf, den ein Hirt trägt, nicht nur weil er sich damit wärmen, sondern hin und wieder auch das verletzte Schaf bergen kann. So betet Antoine d. Saint Exupery:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

Wer so betet, der oder die folgt dem Guten Hirten Jesus, indem er oder sie selbst zum Hirten, zur Hirtin wird.
Wer so betet, lässt den anderen nicht allein, sondern gibt ihm zu verstehen:
* Es ist gut, dass Du da bist – so wie Du bist
* Ich bin mit Dir, was auch geschieht

Bitten wir also nicht nur um Menschen für den kirchlichen Dienst, beten wir, dass es Menschen gibt, die uns bergen, und dass auch wir zu solchen Hirten werden:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel,
damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

(c) Wilfried Schumacher

3.Ostersonntag

Tageslesungen
Apg 5, 27b- 32.40b-41 | Offb 5,11-14 | Joh 21,1-19

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? (Joh 21,4-5a)

(c) Wilfried Schumacher

„Wort zum Tag“ geht weiter

nicht jeden Tag. Aber immer mal wieder werde ich mich in diesem Blog zu Wort melden – mit einem Text zur Liturgie des Tages, meistens an Sonn- und Feiertagen. Ich habe mich dazu entschlossen, um auch jene zu erreichen, die vielleicht nicht zum Gottesdienst an diesem Tag kommen können oder wollen, oder jene, die noch eine andere Perspektive gerne lesen oder hören.
Für mich sehr wichtig: es soll keine einseitige Kommunikation sein! Anders als in der Kirche, können Sie hier einen Kommentar abgeben, sich kritisch äußern, etwas ergänzen, sagen, was Sie bewegt. Ich freue mich darauf, mit Ihnen hierüber ins Gespräch zu kommen – nutzen Sie bitte dazu die Kommentarfunktion.

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Johannes, der Täufer auf dem Isenheim-Altar wird uns dabei weiter als „Titelbild“ begleiten, sein Wort im Hinblick auf Jesus „Illum opportet crescere – me autem minui. Jedner muss wachsen, auch aber geringer werden“ bleibt weiter das Motto..

Dienstag nach Ostern

48 Impulse haben Sie durch die Fastenzeit, an den Kartagen und an Ostern begleitet. Gerne habe ich Sie Ihnen zur Verfügung gestellt. Heute habe ich eine Bitte:

Meine große Leidenschaft gilt der Hilfe für Kinder und Jugendliche im Heiligen Land, in Bethlehem und Jerusalem. Bitte helfen Sie mir dabei, den Kindern eine Zukunft zu geben. Die Webseite informiert Sie ausführlich und nennt Ihnen auch die Spendenkonten: www.bonn-hilft-bethlehem.de

Auf der Webseite finden Sie auch die Spendenkonten.

„Wort zum Tag“ macht jetzt Pause! Wenn Sie mir übers Jahr folgen wollen, dann gehen Sie auf meinen Blog: blog.wilfried-schumacher.de – „Geistliches, was auffällt, einfällt, zufällt“.

(c) Wilfried Schumacher

Karsamstag

Karsamstag – stille Zeit
Zwischenzeit.
Der Mensch – Karsamstagsexistenz.
Zwischen Bangen und Hoffen
Zwischen Erde und Himmel
Zwischen Tod und Auferstehung.
Noch sind die Gräber geschlossen.
Aber der Vorhang ist zerrissen
zwischen Erde und Himmel.
Die Erde hat gebebt
und die Steine haben geschrien
unter dem Gewicht der Welt.
Der Karsamstag ist ein seltsamer Tag, geheimnisvoll und schweigsam. Er ist ein liturgiefreier Tag.
(Karl Rahner)

Heute geht es darum, den Tod auszuhalten – um morgen das Leben zu feiern. – Ich kann der Erfahrung des Karsamstags in meinem Leben nachspüren.

Dieses rechte Leben des Karsamstags unseres Daseins […]konkretisiert sich in dem, was den Alltag zu einem menschlichen Alltag macht: in der Geduld, die warten kann, im Humor, der nicht alles tragisch nimmt, in der Bereitschaft, andere vorzulassen, in der Zuversicht, dennoch anzukommen, im unverdrossenen Mut, der immer wieder nach einem Ausweg sucht. Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut.
(Karl Rahner)

(c) Wilfried Schumacher

Karfreitag

Johannes der Täufer (Isenheimer Altar)

Die ganze Fastenzeit über hat uns ein Ausschnitt des Isenheimer Altar begleitet. Heute wollen wir genauer hinschauen und betrachten:

Dieser da am Kreuz!
Haben Sie in einer der Passionen bei den Evangelisten etwas von Johannes dem Täufer unter dem Kreuz gelesen? Weder in der des Johannes noch in den anderen Evangelien ist er Zeuge der Kreuzigung. Mehr noch: nach dem Ausweis des Matthäus-Evangelium ist er schon einige Zeit tot, enthauptet durch Herodes. Was hat er auf dem Isenheimer Altar des Mathias Grünewald zu suchen?
Betrachten wir die rechte Seite des Kreuzigungsbildes betrachten. Der Maler will keine historische Wiedergabe des Geschehens auf Golgatha präsentieren, sondern eine theologische Verkündigung. So ist auch die Darstellung desTäufers hier zu rechtfertigen und zu hinterfragen.
Einsam steht er da auf der rechten Seite – „Keine Gestalt steht in der Bibel einsamer da als der weder ganz zum Alten noch ganz zum Neuen Bund zählbare Täufer“, sagt der Theologe Hans Urs von Balthasar. Und es stimmt, der Täufer kommt mir hier vor, wie ein Zeuge aus einer anderen Welt.
Einsam ist er in dieser Stunde – im Gegensatz zu den anderen Personen unter dem Kreuz geht sein Blick nicht zum Gekreuzigten.
Vielmehr sucht er mit den Augen sein Gegenüber, Johannes den Apostel, seinen ehemaligen Schüler. Damals am Jordan hat er mit viel Überzeugung von diesem Jesus als dem Lamm Gottes gesprochen und Johannes war ihm gefolgt. Will er von ihm die Bestätigung für seine Worte von einst erhalten? Einsam ist er – wie damals im Gefängnis als ihn die Zweifel überfielen und er seine Schüler zu Jesus schicken ließ mit der Frage: Bist du es der da kommen soll, oder müssen wir noch auf einen andern warten.
Einsam ist er wie die Kranken, die bei der Einlieferung in das Pesthospital vor diesen Altar gebracht wurden oder wie die Novizen, die hier ihre Profess ablegten. Es gibt solche Stunden, in denen allein sind,in denen wir nicht vertretbar sind, in denen alle Gemeinschaft rechts und links nichts ausrichtet, da stehen wir einsam und allein – wie der Täufer auf diesem Kreuzigungsbild.
Unser Blick fällt auf die ausgestreckte Hand, den überlangen Zeigefinger, mit der er auf den Gekreuzigtenhinweist. Illum opportet crescere, me autem minui, jener muss wachsen, ich aber geringer!
Versetzen wir uns in der Lage der Kranken, die vor diesen Altar gebracht wurden. Der da am Kreuz – er muss wachsen, muss in dir Gestalt annehmen, während du selbst mit deinem Eigensinn, deinenVorbehalten geringer werden muss. Welche eine Zumutung – ein geschundener Leib, mit Wunden übersät– wird zum Vor-Bild schlechthin.
Möchte man da nicht einen anderen strahlenden Leib sehen, so einen, wie ihn uns die Werbung im Fernsehen jeden Tag präsentiert. Einen ohne Schmerzen und ohne Makel? Nein, die Solidarität und Nähe im Leiden kann uns nur der Leidende schenken.
Es stimmt, was der Apostel Paulus sagt: die Verkündigung des Gekreuzigten ist vielen ein Skandal undÄrgernis, und nur für Glaubende ein Zeichen von Gottes Kraft und Weisheit. So steht das Wort des Täufers wie ein Menetekel an die Wand geschrieben, das nur von dem erfasst werden kann, der wie einst der Prophet Daniel aus einer tiefen Gottesbeziehung heraus lebt.
Für den heiligen Ignatius von Loyola gehört die Betrachtung des Gekreuzigten mit zu den wichtigstenÜbungen in seinen Exerzitien. Das Kreuz wird zum Zeichen für alle menschliche Not und alles Leid, für die Zerrissenheit im eigenen Leben und in der Geschichte der Menschheit. Ignatius will, dass der Beter alle Dunkelheit, alle Bosheit, alle Lebenslügen, alle Schuld anschaut und darüber mit dem Gekreuzigten ein Zwiegespräch führt, „wie ein Freund mit dem anderen.“(EB 54)
Vom Heiligen Hieronymus wird erzählt, dass er als 80jähriger in der Geburtsgrotte von Bethlehem fragt,was er Gott als Antwort auf dessen Gabe, den menschgewordenen Sohn, gebe könne. In seinem Inneren vernahm er die Antwort, „Gib mir deine Sünden“.
„Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für dieSünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.“ schreibt der ApostelPetrus. (1 Petr 2,24)
Dieser da am Kreuz – Johannes zeigt auf ihn, der sowohl dem Schwerkranken, der vielleicht mit dem Leben abgeschlossen hat, als auch dem Novizen, der sich vor diesem Bild zur Nachfolge bereiterklärt, so zum Heilszeichen wird. „Gib mir deine Sünden, gib mir deine Unvollkommenheit, deine Zerrissenheit,dein mangelndes Vertrauen“, hören sie vom Kreuz her.
Mutter Teresa hat das Kreuz so gedeutet; „Lieben, bis es weh tut“. Wir kennen solche Situationen etwa aus dem Durchhalten von Krisensituationen in einer Beziehung, vom Schmerz einer Liebe, die keineGegenliebe findet, aus durchwachten Nächten am Krankenbett, vom Umarmen der Hoffnungslosen, aus den Zeiten des Zweifels. Lieben bis es wehtut.
Der da am Kreuz – er hat es am eigenen Leib erlebt – nicht für sich, für uns. Im Johannes-Evangelium steht das Wort des Täufers in einem Zusammenhang, da lesen wir: Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freutsich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. (Joh 3,29)Der Täufer steht hier als Freund des Bräutigams – nur dies gibt ihm die Sicherheit sagen zu können: Er muß wachsen, ich aber muß geringer werden.
Wenn wir jetzt heute zum Kreuz kommen, sind wir eingeladen, als Freunde und Freundinnen des Bräutigams zukommen. Es ist nicht nur ein Tun des Augenblickes, unsere ganze Biografie bringen wir mit zum Kreuz. Nicht nur die erfolgreichen Stunden, sondern auch das Versagen, die Sünde und unsere Schuld.
Am Schluss des Exerzitienbuches des hl. Ignatius steht ein Gebet, das die Frucht seiner Biografie ist,geboren aus einem Leben mit vielen Fragen, Kämpfen, Nöten und Zweifel:
„Nimm hin, Herr,
und empfange meine ganze Freiheit,mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen,meine ganze Habe und Besitz.
Du hast es mir gegeben, Dir Herr, gebe ich es zurück:Alles ist Dein, verfüge nach deinem ganzen Willen;
Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.“

Das gesamte Altarbild im Musée Unterlinden Colmar

„Es ist vollbracht“- aus der Johannes-Passion von J.S.Bach

(c) Wilfried Schumacher

Gründonnerstag

Tageslesungen
Ex 12,1-8. 11-14| 1 Kor 11,23-26 |Joh 13,1-15

Heute beginnen die drei österlichen Tage. Das Ziel unseres gemeinsamen Wegs durch die österliche Bußzeit, durch die Fastenzeit.

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. (1 Kor 11, 23-24)

(c) angieconscious  / pixelio.de

In unserer Sprache gibt es ein Wort, das ursprünglich bedeutete, das tägliche Brot miteinander teilen, das aber heute einen etwas anderen Beigeschmack bekommen hat: „Kumpan“.
Es kommt aus dem lateinischen „conpanis“ und meint denjenigen, der die gleichen Erfahrungen mit mir macht, die gleiche schwere Arbeit zu leisten hat, der mit mir so vieles teilt, was der Tag bringt.
Auch im Französischen gibt es dieses Wort: „copain“. Es meint den Menschen, der sich aus allen anderen heraushebt und der mir in Freundschaft verbunden ist, einen Menschen, der mir viel bedeutet, der mir so notwendig ist, wie das tägliche Brot.
So gesehen sind wir alle „Kumpane Jesu“, einmal weil er dieses Brot mit uns teilt, und zum anderen, weil er selbst dieses Brot ist – das Geheimnis unseres Glaubens schlechthin.
Wir sind Kumpane Gottes, aber dies macht uns auch zu Kumpanen untereinander.

Die Menschen sehnen sich nach jemandem, der sich hingibt, der heilt und heiligt, der liebt und mit ihnen leidet. Sie finden ihn in Jesus und sie müssen ihn finden in seinen Kumpanen, die ihm auf dem Weg dieser Liebe folgen.

(c) Wilfried Schumacher

Mittwoch in der Karwoche

Tageslesungen
Jes 50, 4 -9a | Mt 26, 14 – 25

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.(Mt 26,20-25)

Warum verriet er Jesus? Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, als er gesehen habe, daß die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Texte der Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt ausdrücklich: »Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern« (Joh 13,2). Ähnlich schreibt Lukas: »Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3). Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab. Der Verrat des Judas bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis. Jesus hat ihn als Freund behandelt (vgl. Mt 26,50); bei seinen Aufforderungen, ihm auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen, übte er jedoch niemals Zwang auf den menschlichen Willen aus, noch bewahrte er ihn vor den Versuchungen Satans und respektierte damit die menschliche Freiheit.
Benedikt XVI.

Der Verrat des Judas beschäftigt die Christen seit den Tagen der Urkirche. Wie kann ich verhindern selbst ein Judas zu werden?  Jeder der Zwölf hielt es für möglich, der Verräter zu sein. Treue und Verrat liegen nahe beieinander.

Judas schläft nie!
Wort aus Serbien

(c) Wilfried Schumacher