4.Fastensonntag

Tageslesungen
Jos 5,9a.10-12| 2 Kor 5,17-21 | Lk 15, 1-3. 11-32

Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen.

Heute darf ich „ausruhen“ auf unserem Weg hin zum Osterfest.

„Blinde würden sich im Paradies glauben, wenn sie wieder sehen könnten. Während wir, die wir sehen können, uns kaum einmal klar machen, dass wir schon im Paradies sind.“ (Thich Nhat Hanh)

Nur dasitzen und zum Beispiel eine Blume bewundern.

Musik zum Sonntag

Samstag nach dem 3.Fastensonntag

Tageslesungen
Hos 6, 1-6 | Lk 18, 9-14

Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.  Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. 1Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! (Lk 18, 10-13)

Der Pharisäer betet zu Gott, aber in Wirklichkeit blickt er auf sich selbst. Er betet zu sich selbst! Anstelle des Herrn hat er einen Spiegel vor Augen. [..] Er bleibt stehen, er fühlt sich sicher, so als sei er der Herr des Tempels! Er zählt die guten Werke auf, die er getan hat; [..] Mehr als zu beten gefällt sich der Pharisäer also in seiner eigenen Gesetzestreue. Seine Haltung und seine Worte sind jedoch fern vom Handeln und Sprechen Gottes, der alle Menschen liebt und die Sünder nicht verachtet. [..]
Der Pharisäer ist zum Tempel gegangen, er ist sich seiner sicher, aber er merkt nicht, dass er sich auf dem Weg seines Herzens verirrt hat.
Der Zöllner dagegen – der andere – geht mit demütigem und reumütigem Herzen in den Tempel: [..] Sein Gebet ist sehr kurz, es ist nicht so lang wie das des Pharisäers: »Gott, sei mir Sünder gnädig!« Sonst nichts. Ein schönes Gebet.
Papst Franziskus

Ich schaue auf mein Gebet – wem gleiche ich? Stehe ich vor Gott oder vor einem Spiegel, in dem ich mich selbst und meine „großen Taten“ sehe?
Kann ich demütig, mich als Sünder bekennen, der angewiesen ist auf das Erbarmen Gottes?

Im Gebet fühlt sich der Mensch oft wie ein schwarzes Schaf, weil er voller Mängel und Fehler steckt. Aber Gott ist keine Krämerseele, die jeden Minuspunkt aufnotiert. Er lässt dich nicht fallen, sondern gibt dir immer und immer wieder die Chance, zu ihm zurückzukehren. Niemand muss Angst haben, dass er wegen seiner Fehler und Un­zulänglichkeiten ausgegrenzt wird — auch wenn er über Jahrzehnte ein Leben ohne Gott und ohne Glauben geführt hat.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Frei vor Gott. Glauben in öffentlicher Verantwortung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.

(c) Wilfried Schumacher

Freitag nach dem 3.Fastensonntag

Tageslesungen
Hos 14,2–10 | Mk 12,28b–3

Ich will ihre Untreue heilen und sie aus lauter Großmut wieder lieben. Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt. Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie der Libanon. Seine Zweige sollen sich ausbreiten, seine Pracht soll der Pracht des Ölbaums gleichen und sein Duft dem Duft des Libanon. Sie werden wieder in meinem Schatten wohnen; sie bauen Getreide an und gedeihen wie die Reben, deren Wein so berühmt ist wie der Wein vom Libanon. (Hos 12, 5-8)

Israel hat die ,,Ehe“ gebrochen – den Bund; Gott müsste es eigentlich richten, verwerfen. Aber gerade nun zeigt sich, dass Gott Gott ist und nicht ein Mensch. […] Die leidenschaftliche Liebe Gottes zu seinem Volk – zum Menschen – ist zugleich vergebende Liebe. Sie ist so groß, dass sie Gott gegen sich selbst wendet, seine Liebe gegen seine Gerechtigkeit. Der Christ sieht darin schon verborgen sich anzeigend das Geheimnis des Kreuzes: Gott liebt den Menschen so, dass er selbst Mensch wird, ihm nachgeht bis in den Tod hinein und auf diese Weise Gerechtigkeit und Liebe versöhnt.
(Benedikt XVI., Deus caritas est, Nr. 10)

Ich nehme die guten Bilder in dem Schrifttext wahr. Sie erzählen von Gottes Liebe, Gottes Zuneigung zu den Menschen.
Gibt es im Alltag meines Lebens auch Situationen, in denen ich mich so von Gott geliebt, getragen, in ihm geborgen fühle, dass ähnliche gute Bilder in mir aufsteigen?

Gott liebt den Menschen in all seiner Widersprüchlichkeit und Inkonsequenz. Er will damit unser angelerntes Verhalten durchbrechen, uns nur angenommen zu fühlen, wenn wir unsere Schwächen überspielen und unser wahres Gesicht und Inneres verbergen.
(Pierre Stutz)

(c) Wilfried Schumacher

Donnerstag nach dem 3.Fastensonntag

Tageslesungen
Jer 7,23–28 | Lk 11,14–23

Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. (Lk 11,23)

Einzig die göttliche Identität der Person Jesu kann einen so absoluten Anspruch rechtfertigen wie den folgenden: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“
(Katechismus der kath.Kirche  Nr.590)
Das harte Wort ist entstanden in den jungen Gemeinden, die erkennen mussten, dass „gerade in der Neutralität vieler Christen die allergrößte Gefahr der inneren Zersetzung und Auflösung der Kirche, ja die eigentliche Christusfeindschaft lag.
(Dietrich Bonhoeffer).

Ich bin immer in die Entscheidung gerufen. Als Christ kann ich nie neutral sein. Die Welt braucht Zeugen, nicht Zuschauer.

Christ zu sein ist niemals leicht gewesen und ist es auch heute nicht. Christus nachzufolgen erfordert den Mut zu radikalen, oft unkonventionellen Entscheidungen.(Johannes Paul II.)
Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.
(Paul VI. „Evangelii nuntiandi“, Nr. 41)

(c) Wilfried Schumacher

Mittwoch nach dem 3.Fastensonntag

Tageslesungen
Dtn 4,1.5–9 | Mt 5,17–19

Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen? Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege? Jedoch, nimm dich in Acht, achte gut auf dich! Vergiß nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast. Laß sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn! Präge sie deinen Kindern und Kindeskindern ein!
(Dtn 4,7-9)

Die  Liebesgeschichte Gottes mit Israel besteht im tiefsten darin, dass er ihm die Thora gibt, das heißt, ihm die Augen auftut für das wahre Wesen des Menschen und ihm den Weg des rechten Menschseins zeigt; diese Geschichte besteht darin, dass der Mensch so in der Treue zu dem einen Gott lebend sich als Geliebten Gottes erfährt und die Freude an der Wahrheit, an der Gerechtigkeit – die Freude an Gott findet, die sein eigentliches Glück wird: ,,Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde … Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück“ (Ps 73[72],25.28).(Benedikt XVI., Deus caritas est Nr.9)

Die Thora (das Gesetz) entspringt der Erfahrung, die das Volk Israel mit Gott gemacht hat, einer „guten Erfahrung“. Er hat sie aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit, ist auf dem langen Marsch durch die Wüste vor und mit ihnen gewesen und hat sie aus lebensbedrohenden Situationen errettet.
Wer solch gute Erfahrungen mit Gott gemacht hat, für den ist die Treue, die Loyalität, der Gehorsam gegenüber Gott nichts Aufgezwungenes, sondern nur eine Konsequenz.
Ich erinnere mich meiner „guten Erfahrungen“ mit Gott.

Als die Engel Protest einlegten, dass die Thora den Menschen anvertraut wurde und nicht ihnen, sprach Gott: « Wart ihr etwa in ägyptischer Sklaverei? »
(Midrasch)

(c) Wilfried Schumacher

Dienstag nach dem 3.Fastensonntag

Tageslesungen
Dan 3,25.34–43 | Mt 18,21–35

Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. (Mt 18,21-22)

Ich bin mir völlig bewusst, wie sehr das Vergeben scheinbar im Widerspruch zur menschlichen Logik stehen kann, die häufig der Dynamik des Streites und der Rache gehorcht. Die Vergebung hingegen atmet aus der Logik der Liebe, jener Liebe, die Gott jedem Mann und jeder Frau, jedem Volk und jeder Nation, ja der ganzen Menschheitsfamilie erweist.
(Johannes Paul II. Weltfriedenstag 1997)

Petrus bietet schon mehr als das Doppelte, das damals üblich war. Aber es geht Jesus nicht um eine rechnerische Großzügigkeit; er fordert die grenzenlose Bereitschaft zur Vergebung.
Wer anfängt, aufzurechnen, verhindert jeden Neuanfang. Vergebung geht nur ganz – oder gar nicht. Gott macht es uns vor – mit uns. Seine Liebe ist so grenzenlos wie seine Bereitschaft zu vergeben.
Wer wartet auf meine Vergebung?

Vergeben und Verzeihen kennt keine Zahl noch Ende. Vergebung ist ohne Anfang und Ende. Sie geschieht täglich unaufhörlich, denn sie kommt von Gott.
(Dietrich Bonhoeffer)
An der Tür, mit der du die Vergangenheit zuschließt, steht nur ein Wort: Vergebung.
(Phil Bosmans)

(c) Wilfried Schumacher

Hochfest der Verkündigung des Herrn

Tageslesungen
Jes 7,10–14 | Hebr 10,4–10 | Lk 1,26–38

Der Engel trat bei ihr ein. (Lk 1,28a)

Maria ist dadurch groß, dass sie für Gottes Geist ganz empfänglich war. »Mir geschehe nach deinem Wort«, sagt sie, und so geschieht es ihr. So hat sie Gottes Sohn zur Welt gebracht. Sie ist die Urgestalt aller glaubend Empfänglichen, das Urbild der Kirche. Dass wir Christen sind, ist nicht unser Werk, es ist empfangen durch den Heiligen Geist. Selig sind die Empfänglichen.
(Franz Kamphaus )

Gott trat in das Leben der jungen Frau. Und sie ist bereit.
Was/wen würde der Engel vorfinden, wen er bei mir einträte?

Gelegentlich
so ab und an
werden meine Pläne
durchkreuzt
wird meine Welt
auf den Kopf gestellt
ist nichts mehr so
wie es einmal war

dann möchte ich
ja sagen können
voller Angst
voller Ungewißheit
ohne zu wissen
was auf mich zukommt

aber doch
ja
sagen

(Aus: Andrea Schwarz, Wenn ich meinem Dunkel traue. Auf der Suche nach Weihnachten. Freiburg 1998)

(c) Wilfried Schumacher

3.Fastensonntag

Tageslesungen
Ex 3,1-8a.13-15 | 1 Kor 10,1-6.10-12 | Lk 13, 1-9

Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen.

Heute darf ich „ausruhen“ auf dem Weg hin zum Osterfest.

Heute kann ich einmal ganz bewusst Danke sagen. Vielleicht nicht nur direkt, sondern in einem längst fälligen Telefon, in einem Brief, einer Email.

Danke für das gute Wort; danke für das Lächeln; danke für die Handreichung; danke für das Gespräch; danke für den Händedruck, für die Anregung; danke für die Freundschaft, für die Jahre, in denen wir verheiratet sind; danke für das Verständnis; danke für meine Gesundheit; danke,……

(c) Wilfried Schumacher

Samstag nach dem 2.Fastensonntag

Tageslesungen
Mi 7,14–15.18–20 | Lk 15,1–3.11–32

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
(Lk 15, 20 ff.)

Gott freut sich. Nicht, weil die Probleme der Welt gelöst sind; nicht, weil alles menschliche Leiden und Erdulden zu Ende sind; auch nicht, weil Tausende von Menschen umgekehrt sind und nun Gott für seine Güte preisen. Nein, Gott freut sich, weil eins seiner Kinder, das verloren war, wiedergefunden ist. Wozu ich eingeladen bin, ist, in diese Freude einzutreten. Es ist die Freude Gottes, nicht die Freude, wie die Welt sie gibt. Es ist die Freude, zu sehen, wie ein Kind nach Hause wandert – mitten durch alle Zerstörung, Verwüstung und Ängste der Welt.
(Henri J. M. Nouwen. Nimm sein Bild in dein Herz. Freiburg 1991)

Ich bin es gewohnt, schlechte Nachrichten zu hören, vom Leid und von der Not anderer. Die Medien sagen „Bad news are good news“ (Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten). Da kommt keine Freude auf.
Wo sind die guten Nachrichten in meinem Leben? Wo sind die verborgenen Freuden, die kleinen Wunder?
Ich kann beginnen, mich darüber zu freuen und davon zu sprechen.

Gott freut sich, wenn ein Sünder bereut. Statistisch gesehen, ist das nicht besonders interessant. Aber für Gott spielen Zahlen offenbar niemals eine Rolle.
(Henri J. M. Nouwen. Nimm sein Bild in dein Herz. Freiburg 1991)

(c) Wilfried Schumacher

Freitag nach dem 2.Fastensonntag

Tageslesungen
Gen 37,3–4.12–13a.17b–28 | Mt 21,33–43.45–46

Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan. Sie sahen ihn von weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war, fassten sie den Plan, ihn umzubringen. Sie sagten zueinander: Dort kommt ja dieser Träumer. Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn, und werfen wir ihn in eine der Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird. (Gen 37, 18 ff.)

Die Dynamik der Sünde sucht danach, einen Menschen oder eine Familie in ihre Falle zu bekommen, bis hin zu dem grundlosen Hass zwischen Schwestern und Brüdern. Das ist ein Widerschein des Hasses auf Gott, der so abgrundtief teuflisch ist und der dem zu eigen ist, der in seinem wahnsinnigen Beharren bei sich selbst keinem zu Dank verpflichtet sein will. Die Verpflichtung zum Dank scheint einer Entäußerung unser selbst und einem Sich-klein-machen gleichzukommen. Es fängt an mit dem Neid auf den, der mehr geliebt ist als wir, der größer ist als wir und der intelligenter und stärker ist als wir, und hört damit auf, dass wir glauben, er wird uns Schaden zufügen, weshalb es nötig ist, dass wir ihn beiseite schaffen. Aus der Geschichte der Menschheit lernen wir, dass diese Eigendynamik der Sünde Konfliktsituationen zwischen Völkern, Rassen und Nationen hervorbringen kann, die gefährlich und nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind.
(Carlo M. Martini. Der Pilger weiß, wohin er geht. Freiburg 1993)

Ich kann heute den Herrn bitten, dass er mir die Freiheit des Geistes und des Herzens verleihe, über den Prozess nachzusinnen zu können, der sich in meiner Seele abspielt und nach und nach bei den verschiedenen Gelegenheiten mein ganzes alltägliches Leben durchdringt – die Dynamik der Sünde.

Sünde ist:
vor Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen
oder
vor Gott verzweifelt man selbst sein wollen.
(Sören Kierkegaard)

(c) Wilfried Schumacher