Freitag nach dem 2.Fastensonntag

Tageslesungen
Gen 37,3–4.12–13a.17b–28 | Mt 21,33–43.45–46

Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan. Sie sahen ihn von weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war, fassten sie den Plan, ihn umzubringen. Sie sagten zueinander: Dort kommt ja dieser Träumer. Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn, und werfen wir ihn in eine der Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird. (Gen 37, 18 ff.)

Die Dynamik der Sünde sucht danach, einen Menschen oder eine Familie in ihre Falle zu bekommen, bis hin zu dem grundlosen Hass zwischen Schwestern und Brüdern. Das ist ein Widerschein des Hasses auf Gott, der so abgrundtief teuflisch ist und der dem zu eigen ist, der in seinem wahnsinnigen Beharren bei sich selbst keinem zu Dank verpflichtet sein will. Die Verpflichtung zum Dank scheint einer Entäußerung unser selbst und einem Sich-klein-machen gleichzukommen. Es fängt an mit dem Neid auf den, der mehr geliebt ist als wir, der größer ist als wir und der intelligenter und stärker ist als wir, und hört damit auf, dass wir glauben, er wird uns Schaden zufügen, weshalb es nötig ist, dass wir ihn beiseite schaffen. Aus der Geschichte der Menschheit lernen wir, dass diese Eigendynamik der Sünde Konfliktsituationen zwischen Völkern, Rassen und Nationen hervorbringen kann, die gefährlich und nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind.
(Carlo M. Martini. Der Pilger weiß, wohin er geht. Freiburg 1993)

Ich kann heute den Herrn bitten, dass er mir die Freiheit des Geistes und des Herzens verleihe, über den Prozess nachzusinnen zu können, der sich in meiner Seele abspielt und nach und nach bei den verschiedenen Gelegenheiten mein ganzes alltägliches Leben durchdringt – die Dynamik der Sünde.

Sünde ist:
vor Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen
oder
vor Gott verzweifelt man selbst sein wollen.
(Sören Kierkegaard)

(c) Wilfried Schumacher

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