Donnerstag nach dem 4.Fastensonntag

Tageslesungen
Ex 32,7–14 | Joh 5,31–47

Da sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. (Ex 32,7-11)

Die religiöse Umkehr oder Bekehrung besteht in der Entscheidung, Gott in allem den Vorrang zu geben. Sie bedeutet nicht, dass man gleich zum Heiligen wird, aber sie beinhaltet die radikale Entscheidung, Gott über alles zu stellen und sich ganz ihm zu unterstellen. Es ist dies ein grundlegender und höchst bedeutsamer Wechsel des Horizonts. Ich mache in meinem Leben ernst mit dem Vorrang Gottes […]. Diese religiöse Umkehr oder Bekehrung drückt sich aus in einer ethischen Bekehrung, mit der sie zuinnerst verknüpft ist. Sie besteht in der Option, nicht den Götzen zu dienen, sich nicht zum Sklaven der alten heidnischen oder der immer gegenwärtigen Götzen zu machen, wie sie das Geld, der Erfolg, die Macht oft sind.
(Carlo Maria Martini. Mein spirituelles Wörterbuch. Augsburg 1998.)

Ich lebe immer in der Gefahr, wie das Volk Israel den leblosen Götzen mehr zu trauen als dem lebendigen Gott. Ich weiß, wer die Götzen des Reichtums, der Macht und des Erfolgs verehrt, verliert die Menschlichkeit.
Worin besteht meine Umkehr

Solo Dio basta – Gott allein genügt.
(Theresia von Avila)

(c) Wilfried Schumacher