Christi Himmelfahrt – Geht bis an die Grenzen der Erde!

Tageslesungen
Apg 1, 1-1 | Eph 1, 17-23 | Lk 24,46 – 53

Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Ihr Männer und Frauen heute, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor.

Wer nur zum Himmel schaut, verliert den Kontakt zur Erde und muss sich nicht wundern, wenn er strauchelt und fällt. Wer nur zum Himmel emporschaut an diesem Tag, versteht nicht, um was es geht.

Es sind die Engel und der Herr selbst, die unseren Blick wieder auf die Erde lenken.

Ein Dreifaches wird uns heute mitgegeben:

  1. Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

„Ich bin bei Dir“ – wenn ich dieses Wort von einem Menschen höre, dann gibt es mir Kraft. Ich bin bei Dir – wenn das ein Mensch zu einem anderen sagt, dann fühlt der Adressat sich nicht mehr allein, auch wenn er allein ist. Dann weiß er, auch wenn ich diese Situation allein bestehen muss – es ist jemand in Gedanken, es ist jemand mit dem Herzen bei mir.

Ich bin bei Dir, sagt die Mutter dem Kind, wenn es zur Schule geht, um sich einer Prüfung zu stellen.
Ich bin bei Dir, sagt der Partner zur Partnerin, wenn sie zu einer wichtigen Untersuchung geht.
Ich bin bei dir, sagt der Freund zum Freund, wenn er weiß, dass er sich einer besonderen Herausforderung stellen muss.

Das gehört zu unseren Erfahrungen. Wir wissen alle, wie gut ein solches Wort tut! Hier aber sagt das nicht irgendein Mensch, auch nicht der Liebste unter den Menschen, den wir haben. Hier sagt das der auferstandene Herr, der auf eine ganze andere Weise gegenwärtig ist wie das bei Menschen der Fall ist. Es ist das letzte Wort des Matthäus-Evangeliums – es ist der Schlussakkord, der nie verhallt bis ans Ende der Welt.
Aber wir müssen gestehen, oft mangelt es uns an Glauben, dass dieses Wort des Herrn gilt. Oft sind wir zu kleingläubig als dass wir darauf vertrauen.
Ich bin bei Dir – wie gut tut es, wenn es ein Mensch uns sagt. Ich bin bei Euch – wie gut tut es, wenn der Herr es uns sagt!

  •  Verheißung: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.

Es bleibt nicht bei der Zusage. Der Herr weiß um unsere Defizite und Unfähigkeiten. Deshalb sollen wir Kraft erhalten. Die Kraft des Heiligen Geistes. Aber es geht nicht nur darum, unsere Kraftlosigkeit zu heilen, unsere Defizite auszugleichen und uns Kompetenz zu geben.

Das deutsche Wort „Kraft“ ist mir fast schon zu kraftlos, das griechische Wort „Dynamis“, Dynamik ist ausdrucksvoller. Der Heilige Geist soll Dynamik in unser Leben bringen, Bewegung, Schwung, Aufschwung.

Die Verheißung Jesu hat sich für die meisten von uns erfüllt: Wir sind gefirmt; wir haben die Dynamik des Geistes empfangen. Aber was haben wir daraus gemacht?

Ein Pfarrer in hat einmal seine Firmlinge gefragt: „Was würde dir fehlen, wenn Du dich nicht firmen lassen würdest?“ Ich frage mich und Sie können es ebenso tun: „Was würde mir fehlen, wenn ich nicht gefirmt wäre?“

Vertraue ich auf die Dynamik des Gottes Geistes in meinem Leben; oder folge ich lieber dem Geist einer Partei, der öffentlichen Meinung, dem Geist des Erfolgs und was es sonst noch für Geister gibt.

Wer auf den Geist Gottes vertraut, muss wissen, dass er nicht daher-kommt wie ein laues Lüftchen, sondern wie ein gewaltiger Sturm.

Der hl. Johannes XXIII. hat wohl wissend darum, die Fenster der Kirche geöffnet. Verbarrikadieren wir nicht unser Lebenshaus wenn es gilt der Dynamik des Geistes Jesus Einlass zu gewähren.

  • Auftrag: Ihr werdet meine Zeugen sein…..bis an die Grenzen der Erde!

Der Auftrag, den der Herr seinen Jüngern und auch uns mitgibt, ist nur eine Konsequenz dieses Geistes, der uns nicht ruhig sitzen lässt, sondern uns in Bewegung bringt.

Geht bis an die Grenzen der Erde – das heißt nicht: brecht jetzt auf nach Asien oder Afrika, und weil das eh nicht in Frage kommt, lasst es ganz bleiben.

Geht bis an die Grenzen der Erde – bleibt mit Eurem Glauben und Eurer religiösen Überzeugung nicht im Dunstkreis des euch Bekannten und Vertrauten. »Geht«, kommt aus euch selbst heraus, aus jeglicher Verschlossenheit, um allen das Licht und die Liebe des Evangeliums zu bringen, bis in die äußersten Randgebiete des Lebens!

Papst Franziskus sagt. „Wenn wir Christen uns in unserer Gruppe einschließen, in unserer Bewegung, in unserer Pfarrei, in unserem Umfeld, bleiben wir eingeschlossen und dann geschieht mit uns, was mit allem passiert, das eingeschlossen ist. Wenn ein Zimmer geschlossen bleibt, kommt der Geruch der Feuchtigkeit. Und wenn ein Mensch in diesem Zimmer ist, wird er krank! Wenn ein Christ sich in seiner Gruppe, in seiner Pfarrei, in seiner Bewegung einschließt, ist er eingeschlossen und wird krank. Wenn ein Christ auf die Straßen hinausgeht, an die Peripherien, kann mit ihm das geschehen, was manchem passiert, der auf der Straße unterwegs ist: ein Unfall. Sehr oft haben wir Straßenunfälle gesehen. Aber ich sage euch: Mir ist eine verunfallte Kirche tausendmal lieber und nicht eine kranke Kirche!“

„Geh und bring den Menschen das Licht des Evangeliums?“ –
Was heißt das für Dich?

Die Botschaft des Herrn ist an alle gerichtet und meint doch jeden Einzelnen, jede Einzelne.

Ihr Männer und Frauen von heute, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor? –

Bleiben wir auf der Erde – getragen von der Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt – versehen mit der Verheißung der Dynamik des Geistes und erfüllt von dem Auftrag: Geht zu allen Völkern.

(c) Wilfried Schumacher

6.Ostersonntag – Gott als Mieter?

Tageslesungen
Apg 15,1-2.22-29 | Offb 21,10-14.22-23 | Joh 14,23-29

Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. (Joh 14,23)


Gott als unser Mieter, Untermieter? Wie mag man sich das vorstellen?

Walter Jens dreht in seiner Bibelübersetzung den Spieß um. Da lesen wir: „Nur wer mich liebt“, antwortete Jesus, „wird meine Worte bewahren – die Worte! Ihren Sinn! Ihren Geist! -, und mein Vater wird ihn lieben, und wir, ihr und ich, werden unsere Heimat finden, bei ihm.“

Heimat finden, Heimat haben bei Gott! – das ist schon eher ein Bild, mit dem ich etwas anfangen kann.

Heimat ist etwas, dass nie verloren geht; selbst dann, wenn man in der Fremde lebt. In der Heimat fühlt man sich zugehörig und geborgen. Heimat kann Orientierung geben und wie ein sicherer Anker in der schnelllebigen Welt sein. Selbst der Heimatlose weiß um die Heimat und ihre Qualität.

Das Leben kann uns oft durchschütteln. Es kann sein, dass wir innerlich heimatlos werden – das Gefühl haben, nirgendwo mehr zuhause zu sein, von allem und jedem verlassen. Christus lädt uns im heutigen Evangelium ein, die Heimat zu finden bei Gott – nicht in einer Theorie, einer Idee – sondern ganz praktisch, indem wir Jesu Worte bewahren, Ihren Sinn, Ihren Geist und so feststellen, selbst wenn ich das Gefühl habe, hier heimatlos zu sein, es bleibt die Heimat bei Gott.

(c) Wilfried Schumacher

5.Sonntag in der Osterzeit – Jeden Tag soviel wie ich benötige

Tageslesungen
Apg 14,21b-27 | Offb 21, 1-5a | Joh 13,31-33a. 34 – 35

Diese Woche war ich in Osnabrück und zum ersten Mal im Dom. In der Sakramentskapelle sah ich ein Relief mit einem Detail, das mich wegen der Geschichte immer wieder fasziniert. Die Geschichte vom Manna in der Wüste. Sie steht im Buch Exodus im 16.Kapitel.

Manna in der Wüste – Relief Dom Osnabrück

Damit wir nicht einfach drüber lesen, hier in der etwas ungewohnten Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig:

ER sprach zu Mosche: da, ich lasse Euch Brot vom Himmel regnen, ausziehen soll das Volk und lesen: die Tagesmenge an ihrem Tag, […] Aber am sechsten Tag soll es sein: wenn sie vorrichten, was sie einbringen, wird es ein Doppeltes sein gegen das, was tagtäglich sie lesen. […]

Aber am Morgen war eine Schicht Taus rings um das Lager, und als die Tauschschicht aufstieg, da war auf der Fläche der Wüste etwas Feines, Schuppiges, fein wie der Reif auf der Erde. Die Söhne Israels sahens und sprachen einer zum anderen: „Man hu“ – was ist das? Denn sie wussten nicht was es war. Mosche sprach zu ihnen: Das ist das Brot, das ER Euch zum Essen gegeben hat. Dies ists, was ER geboten hat: leset davon, jeder nach seinem es Bedarf, eine Metze (Anm. altes Hohlmaß etwa 1 – 2 Liter) auf den Kopf, nach der Zahl Eurer Seelen, hole jeder für die in seinem Zelt.

Die Söhne Israels taten so, sie lasen, der viel und der wenig, aber als sies mit der Metze Maßen, überschoß dem nichts, der viel las, und der wenig las, dem mangelte nichts, jeder nach seinem es Bedarf hatten sie gelesen.

Mosche sprach zu ihnen: „nimmer lasse jemand davon auf den Morgen übrig. Aber sie hörten nicht auf Mosche, sondern etliche ließen davon auf den Morgen übrig: es würmte Maden hervor und stank.[…]

Sie lasen es Morgen um Morgen, jedermann nach seinem Eßbedarf. (…) Doch am sechsten Tag geschah es, dass sie Brots ein Doppeltes lasen, zwei Metzen für einen. […] Die Söhne Israels aßen das Man 40 Tage, bis sie an besiedeltes Land kamen. (aus Exodus 16)

Gott speist das Volk in der Wüste – aber jeden Tag gibt es nur so viel, wie man zum Leben und Überleben braucht. Wer meinte, er könne die Speise vom Himmel („Man hu“ – heißt übersetzt: Was ist das?) horten, könne einen Vorrat anlegen, musste erleben, dass am Folgetag Würmer das Essen ungenießbar gemacht hatten.

Nur am sechsten Tag, dem Tag vor dem Shabbat, gab es die doppelte Menge, weil man am Shabbat nicht arbeiten, d.h. auflesen durfte.

Um was geht es? Um das Wunder in der Wüste? Letztlich geht es im Text um das Gottvertrauen. Ich muss keine Vorsorge treffen – Gott selbst wird das Überleben sicher stellen. Er wird mir soviel geben, wie ich brauche, um zu überleben. Ich gebe zu, das fordert mich heraus. Es fragt mich nicht nach einer vernünftigen Vorratshaltung, um etwa Lebensmittelengpässe zu überstehen.

Vielmehr geht es um die Frage: was brauche ich zum Leben? Und dazu zählt nicht nur der Einkauf im Supermarkt. Was horte ich alles in den Vorratskammern meines Lebens? Ist es das, was meiner Seele gut tut? Oder hat es eher einen üblen Geschmack, zerfressen von den Würmern der Eifersucht, des Neides, des Stolzes, der Überheblichkeit, des Profits – oder wie die die „Tiere“ sonst noch heißen?

Die Geschichte bewahrt mich auch davor, kein Ende zu finden in meinen Bemühungen. Auch der, der viel sammelte, hatte am Ende nicht mehr als der andere. Ich gestehe gerne, ich fand auch oft kein Ende bei der Arbeit – weil alles noch getan werden musste. Anderes und vor allem andere blieben auf der Strecke!

Und schließlich erzählt die Geschichte vom Werktag und vom Sonntag. Am sechsten Tag gab es so viel, dass der Sonntag geheiligt werden konnte. In diesem alten Text ist schon die Rede von einem sinnvollen Wechsel aus Arbeit und Muße, aus Arbeitstag und Feiertag.

An jedem Tag soviel wie ich zum Leben benötige – nicht nur aus der Hand Gottes, sondern auch in meiner Lebenshaltung! Die Vaterunser-Bitte „unser tägliches Brot gib uns heute!“ erinnert uns jeden Tag daran.

(c) Wilfried Schumacher

4.Ostersonntag – der Mantel des Hirten, der Hirtin

Tageslesungen
Apg 13,14.43b-52 | Offb 7,9.14b-17 | Joh 10,27-30

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.  Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. (Joh 10,27-28)

Heute ist der Sonntag des „Guten Hirten“. Lange Zeit hat man aus dem lateinischen Wort für Hirt „Pastor“ die Hirtensorge allein den Priestern zugesprochen. Und deshalb an diesem Sonntag für den Priesternachwuchs gebetet. Das ist notwendig und trotzdem etwas zu kurzgedacht.

Bei Antoine d. Saint Exupery fand ich ein Gebet, das in eine andere Richtung weist, einen weiteren Horizont eröffnet. Es greift das Bild vom weiten Mantel auf, den ein Hirt trägt, nicht nur weil er sich damit wärmen, sondern hin und wieder auch das verletzte Schaf bergen kann. So betet Antoine d. Saint Exupery:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

Wer so betet, der oder die folgt dem Guten Hirten Jesus, indem er oder sie selbst zum Hirten, zur Hirtin wird.
Wer so betet, lässt den anderen nicht allein, sondern gibt ihm zu verstehen:
* Es ist gut, dass Du da bist – so wie Du bist
* Ich bin mit Dir, was auch geschieht

Bitten wir also nicht nur um Menschen für den kirchlichen Dienst, beten wir, dass es Menschen gibt, die uns bergen, und dass auch wir zu solchen Hirten werden:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel,
damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

(c) Wilfried Schumacher

„Wort zum Tag“ geht weiter

nicht jeden Tag. Aber immer mal wieder werde ich mich in diesem Blog zu Wort melden – mit einem Text zur Liturgie des Tages, meistens an Sonn- und Feiertagen. Ich habe mich dazu entschlossen, um auch jene zu erreichen, die vielleicht nicht zum Gottesdienst an diesem Tag kommen können oder wollen, oder jene, die noch eine andere Perspektive gerne lesen oder hören.
Für mich sehr wichtig: es soll keine einseitige Kommunikation sein! Anders als in der Kirche, können Sie hier einen Kommentar abgeben, sich kritisch äußern, etwas ergänzen, sagen, was Sie bewegt. Ich freue mich darauf, mit Ihnen hierüber ins Gespräch zu kommen – nutzen Sie bitte dazu die Kommentarfunktion.

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Johannes, der Täufer auf dem Isenheim-Altar wird uns dabei weiter als „Titelbild“ begleiten, sein Wort im Hinblick auf Jesus „Illum opportet crescere – me autem minui. Jedner muss wachsen, auch aber geringer werden“ bleibt weiter das Motto..