12.Sonntag C: Jesus, ein Spielverderber?

Tageslesungen
Sach 12,10-11; 13,1 | Gal 3,26-29 | Lk 9,18-24

Community – ein neues Wort für eine alte Sache – „Gemeinschaft“. Community – damit sind heute oft die virtuellen Communities gemeint, die sozialen Netzwerken, die über den Globus hinweg Menschen verbinden, ob sie nun Facebook heißen, oder Twitter, Snapchat, YouTube – wie auch immer..

Wieso haben sie einen solchen Zulauf? Vielleicht weil wir uns alle danach sehnen, wenigstens zu einer Gemeinschaft , einer Community dazu zu gehören. Viele suchen sich deshalb temporäre Lebensgemeinschaften, in die sie freiwillig ein- und austreten können, entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen.

Für die christliche Gemeinschaft gilt das nicht. Die Gemeinschaft der Getauften verträgt kein Klassen- und kein Standesdenken, nicht die Aufteilung in Geschlechter, in Altersgruppen, in Einheimische und Fremde, in Gesunde und Kranke, – oder wie es der Apostel formuliert: „ Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.  Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,27 – 28)

Diese Gemeinschaft ist real, nicht virtuell, und steht unter der großen Frage: „Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“ (Lk 9,20) Wir spüren, bei der Antwort geht es nicht um den Katechismus, nicht um eine Sammlung von auswendig gelernten Glaubenswahrheiten. Hier geht es um uns ganz persönlich. Hier geht es um unsere Beziehung zu Christus.

Beziehungen aber haben es heute schwer; denn wir leben in einer Zeit, in der alles zum Event, zum Erlebnis werden – der Einkauf, die Reise, der Kinobesuch, auch die Beziehung, und auch der Glaube. Das Leben ist die Fülle seiner Möglichkeiten, sagt die Erlebniswelt.

Da wirkt die Stelle im heutigen Evangelium wie Faustschlag: „Wer sein Leben retten will, sagt Jesus, der wird es verlieren“. (Lk 9, 24) Der Widerspruch zur Erlebniswelt scheint nicht nur unüberbrückbar, er ist es auch! Jesus also der Spielverderber, der den Menschen nichts gönnt.

Bevor wir so urteilen: schauen wir auf uns selbst: Widerspruch ist ja auch in uns selber. Am liebsten wäre den meisten wahrscheinlich beides: ein Leben als Fülle aller Möglichkeiten auszuschöpfen, gleichsam von Erlebnis zu Erlebnis zu leben- und ein Leben als Fülle von guten Taten für andere.

Zugleich aber wissen wir auch, daß beides zusammen nicht geht. Es geht uns, wie dem Petrus, der versucht hat, dem Herrn dienen und dann, wenn dieser Dienst mühsam zu werden beginnt, schnell die eigene Haut rettet.

Es gibt nicht das „Sowohl-als-auch“ – jeder, der es schon einmal versucht hat, weiß wie einen dieses Lebensprinzip zerreißen kann.

Gelungenes Leben braucht Eindeutigkeit: Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten.

Ein Wort, das auch Furcht auslöst, denn ich könnte doch etwas verpassen, etwas verlieren, ohne etwas zu finden.
Vielleicht beginnt die Nachfolge Jesu in diesem Wort mit der Ehrlichkeit:
genau so sind wir –

  • wie der reiche Jüngling, der erfülltes Leben dringend begehrt und doch im letzten Augenblick davor zurückschreckt und den ihm vertrauten Weg geht, der ihn nichts kostet;
  • wie der Tempeldiener und der Priester, die an dem ohnmächtigen Menschen im Graben vorübergehen und dabei nur auf sich selber sehen.

Jesus kennt unsere Zerrissenheiten ganz genau. Er weiß wie oft wir nur das Beste wollen und es doch verfehlen, weil wir am Bequemen hängenbleiben.

So dürfen wir sein. Wir verlieren seine Zuwendung dennoch nicht. Er weiß, wie schwer der Weg ist, von dem er spricht und den er lebt. Und gerade deswegen spricht er immer wieder davon. Er will, daß wir den Weg wagen, weil er weiß, daß dieser Weg nicht nur ihm, sondern allen Menschen in der Tiefe das Heil bringen wird.

Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.

Das heißt:

  • Wer auf sein Recht verzichtet und Gnade walten läßt, wird Leben verlieren und finden.
  • Wer auch in einer angeblichen Ausweglosigkeit nach Möglichkeiten zum Frieden sucht, wird Leben verlieren und finden.
  • Wer anderen Menschen aus der Verachtung durch Menschen heraushilft, wird Leben verlieren und finden.
  • Wer um der Liebe willen Leid auf sich nimmt, wird Leben verlieren und finden.
  • Wer teilt, was ihm gehört, wird Leben verlieren und finden.

Vielleicht geht es gar nicht darum, dies sofort und immer vierundzwanzig Stunden am Tag zu tun, sondern zuerst darum, es einmal zu tun, ein einziges Mal, um von dem Heil zu kosten, das in Jesu Worten liegt. Und es dann immer wieder zu tun, um darin das Leben zu finden.

(c) Wilfried Schumacher

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