13.Sonntag C: Erkennungszeichen Aufbruch

Tageslesungen
1 Kön 19,16b.19-21 | Gal 5,1.13-18 | Lk 9,51-62

Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluß, nach Jerusalem zu gehen. (Lk 9,51)

Von Franz Kafka ist uns eine kurze Erzählung mit dem Titel „Der Aufbruch“ erhalten: »Ich befahl, mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tor hielt er mich auf und fragte: „Wohin reitest du, Herr?“ „Ich weiß es nicht“, sagte ich, „nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.“

„Nur weg von hier!“ – präganter kann man einen Aufbruch nicht beschreiben.

Aufbruch – das ist vor allem ein biblisches Thema:

  • Denn, was wäre aus Israel geworden, wenn das Volk nicht immer wieder in der Wüste aufgebrochen wäre?
  • Welche Dynamik und Freude steckt im AufbruchW der Hirten aus der Weihnachtserzählung: „Kommt, wir gehen nach Bethlehem …!“
  • Was wäre aus dem Apostel Paulus geworden, wenn er nicht immer wieder aufgebrochen wäre auf gefahrvolle Wege zu Land und zu Wasser gewagt hätte?

Und schließlich der Aufbruch aller Aufbrüche, von dem das heutige Evangelium erzählt: die Entscheidung Jesu, nach Jerusalem zu gehen, um zu den Willen des Vaters zu erfüllen.

„Als die Zeit seiner Aufnahme sich erfüllte, machte er das Angesicht hart zu gehen nach Jerusalem.“, so die wörtliche Übersetzung des griechischen Textes.

Einige Grundzüge echten Aufbruchs werden hier sichtbar – sie decken sich mit den Erfahrungen unseres Lebens, das auch immer wieder Aufbrüche kennt.

• Aus der Sicht des Glaubenden ist der Aufbruch ein geistlicher Prozess. Was will Gott von mir in dieser Situation? Jesus weiß darum und tut, was jetzt an der Reihe ist.

Aufbruch bedarf des Entschlusses und der Entschiedenheit. Jesus lässt sich auf seinem Weg von niemandem behindern oder abhalten. Auch nicht von den Samaritern, die ihm die Gastfreundschaft verweigern, weil er ihrer Meinung nach das falsche Ziel hat. Für sie fand man das Heil in Samaria und nicht in Jerusalem.

Aufbruch ist Bewegung auf ein Ziel hin, keine Flucht. – Dabei geht gar nicht darum, einen Ort zu verlassen. Ich kann auch aufbrechen aus Gewohnheiten, aus Haltungen, aus Einstellungen.

Aufbruch richtet das Leben aus, nach vorne, in die Zukunft, gibt ihm Sinn und Erfüllung.

Wer den Aufbruch wagt, muss auch mit Hindernissen rechnen und sie überwinden wollen.

Schauen Sie einmal auf die Aufbrüche in Ihrem Leben. Kein Leben geschieht ohne Aufbrüche, ohne Bewegung – hoffentlich.

Wir tun gut daran, für Möglichkeiten des Aufbruchs sensibler zu werden und sie als Glaubende zu deuten.

Es gilt, ein Gespür für Aufbrüche zu entwickeln – für stille und dramatische, für geplante und unerwartete, von innen kommend oder von außen angestoßen.

Solange ein Leben von Aufbruchstimmung geprägt ist, bleibt es Dynamisch, hat es Sinn und Ausrichtung. Selbst dann , wenn jemand aufbricht zu seinem letzten irdischen Weg.

Das erste Wort, das Papst Franziskus den Kardinälen nach seiner Wahl mitgab, war das Wort „camminare“ – einen Weg machen. Wer einen Weg machen will, bricht auf!

So wird das Aufbrechen schon fast zu einem Erkennungszeichen des glaubenden Menschen. Der Herr macht es uns vor. Lassen wir uns darauf ein, persönlich, als seine Gemeinde vor Ort, als seine Kirche. Wagen wir den Aufbruch!