18.Sonntag C: Jedermann

Tageslesungen
Koh 1,2; 2,21-23 | Kol 3,1-5.9-11 | Lk 12,13 – 21

So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist. (Lk 12,21)

In diesen Wochen finden die Salzburger Festspiele statt. Zum Standardrepertoire gehört seit Jahrzehnten „Jedermann“ von Hugo von Hoffmannthal, das Spiel vom Sterben des reichen Mannes.

Es ist wohl nicht nur die einmalige Kulisse des Salzburger Domplatzes und die prominente Besetzung, die jedes Jahr so viele Zuschauer anzieht. Es muss wohl auch mit dem Inhalt zu tun haben.

Gott befiehlt dem Tod, Jedermann vor seinen göttlichen Richterstuhl zu bringen. Der reiche Jedermann, der sein Leben in Saus und Braus führt und wenig Mitgefühl mit den Sorgen seiner Mitmenschen kennt, gibt an diesem Tag ein großes Bankett für seine Freunde.

Beim Festmahl hört er seinen Namen rufen. Als plötzlich der Tod auftritt und ihm sein Ende verkündet, verlassen ihn seine Freunde. Jedermann bittet den Tod, sich einen Begleiter für seine letzte Reise mitnehmen zu dürfen.

Doch alle, selbst sein Vermögen in der Rolle des Mammon, verweigern die Gefolgschaft. Erst nachdem er Reue über sein Leben gezeigt hat, findet er Begleiter in den „Guten Werken“ und dem „Glauben“.

Der Teufel erhebt Anspruch auf die Seele, wird aber vom Glauben abgewiesen. In der versöhnlichen Schlussszene geht Jedermann in Gottes Verzeihung ein.

Der Stoff, aus dem der Dichter Hugo von Hofmannsthal schöpfte, ist uralt, immer aktuell und zeitlos. Dem Text liegt eine große Lebensweisheit zugrunde. Ich vermute, dass Hofmannsthal das heutige Evangelium gekannt hat. Es ist das Evangelium vom „Jedermann“. Unter „Jedermann“ ist jeder Mann, aber auch jede Frau gemeint.

Die Meinung ist weit verbreitet: „Wer Geld hat, kann sich alles leisten. Dem geht es gut“. Der Mythos über Geld und Mammon ist bei Jung und Alt gewaltig. Dieser Mythos hat sich durch alle Jahrhunderte gehalten. Doch keiner von uns kann sein Leben durch Reichtum absichern. Auch wenn ein Manager hohe Abfertigungen bekommt, ist er vor dem Tod nicht gefeit.

Dann muss jeder Rechenschaft von seiner Lebens-Verwaltung ablegen. Bei Hugo von Hofmannsthal geht der reiche Mann nicht unter, sondern heim zu Gott. Das Vertrauen und der Glaube an Gottes Treue rettet den reichen Mann.

Im Evangelium jedoch wissen wir nicht, wie der Mann auf Gottes Ruf reagiert. Nur eines wissen wir: wie unsere Geschichte nach dem Tod weitergeht, das entscheidet sich – wie beim Jedermann – in unserem Leben, ob wir nur für uns selbst Schätze gesammelt haben oder ob wir reich sind bei Gott.

(c) Wilfried Schumacher