„Lust auf Leben“ – zum Jahreswechsel 2019/2020

Wer zurückdenkt am Jahreswechsel, dem drängen sich oft die negative Dinge auf: Misserfolge, Verwundungen, Katastrophen schreiben sich oft tiefer in die Seele, als die guten Erinnerungen, die wir mühsam hervorkramen müssen.

So ist das Jahresende in den Medien, aber auch in unseren ganz persönlichen Gedanken, oft geprägt von den schlechten Schlagzeilen. Es gilt in diesen letzten Stunden zu fragen, wie gehe ich ins Neue Jahr, was ist im Gepäck meines Lebens in den vergangenen 12 Monaten hinzugekommen, welche Last, aber auch vor allem welcher Proviant, von dem ich leben kann?

Die Antwort kann uns niemand abnehmen, jeder muss sie sich selbst geben. Manche drücken sich davor, lassen sie untergehen im Krachen der Böllern, ertränken sie in Sektkelchen oder lassen sie am Himmel wie Feuerwerk zerplatzen.

Heute morgen kam mir ein Liedtext der kölschen Band „Die Höhner“, in den Sinn – er ist schon über 20 Jahre alt. Die Gruppe, die viele aus dem Karneval kennen, schreiben auch Balladen schreibt, die aufhorchen lassen. So auch dieser Text:
Lust auf Leben, Lust auf Liebe, Lust auf Lust,
Lust auf Bratkartoffeln und nen fetten Kuss,
Lust auf Leben, Lust auf Liebe, Lust auf Doll,
Lust mein Maul nicht zu halten, wenn ich soll,
Lust auf dicke rote Grütze und auf jede kleine Pfütze.
Lust auf Leben, Lust auf Liebe, Lust auf Lust.

Das Video und den ganzen Text finden Sie am Ende dieses Blogs

Der Liedtext verbindet viele Schicksale: denn Lust auf Leben – das ist eine geheimnisvolle Kraft, die Menschen am Leben erhält:

  • Der Kranke, der Lust am Leben hat, geht sein Leid ganz anders an, als der, der sich aufgegeben hat.
  • Wer sich eingezwängt, gefesselt fühlt, spürt eine unbändige Lust am Leben, die so stark ist, dass er in die Lage ist, die Fesseln zu sprengen bzw. alles daran zu setzen, dass sie gelöst werden.
  • Wer eine Katastrophe erlebt, wie sie in diesem Jahr zu der einen oder anderen Biografie gehört haben, kann nur durch die Lust am Leben Energie freisetzen, die ihn nicht in den Fluten der eigenen Tränen untergehen lassen.

Und das Gegenteil ist uns auch klar: ohne Lust am Leben stirbt der Menschen bei lebendigem Leibe. Es gibt Situationen, in denen es lange dauert, bis die Lust am Leben wieder geweckt wird. Das wissen alle diejenigen, die eine solche Erfahrung durchgemacht haben. In der Ballade beschreiben es die Höhner in einer Strophe: „Frisst nur alles in sich rein, und ist auf einmal ganz allein. Einsamkeit ist Marterpfahl, man lebt doch nur das eine Mal“

Die Lust auf Leben kann man nicht machen, nicht herbeirufen, sie wächst in uns heran – nicht zuletzt als Echo auf die Liebe der anderen, die Anerkennung und Wertschätzung, die wir erfahren. Wer erlebt, dass er nicht allein lebt, in dem kann die Lust auf Leben eher Wurzel schlagen.

Im Alten Testament stellt Gott den Menschen vor die Alternative: „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. (Dtn 30,19) „Wähle das Leben!“ Ist es vermessen, zu übersetzen: Hab’ Lust am Leben! Jesus sagt seinen Zuhörern: „ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,10) Auch hier wage ich, frei zu formulieren: Ich will dass sie Lust auf Leben haben?

Ich bin gewiss, dass ich es darf, denn ich kenne besonders im Alten Testament viele Psalmentexte, in denen Menschen vom Gegenteil berichten, in denen sie klagen und bei Gott das Leben einklagen.Wenn es um Lust am Leben geht, dann ist Gott die richtige Adresse. Er hatte eine solche Lust auf menschliches Leben, dass er selbst Mensch wurde.

So lade ich Sie ein, zurückzuschauen auf die Stunden des vergangene Jahres, besonders auf jene, in denen Sie Lust auf Leben hatten.Ich hoffe, es sind so viele, dass die Lust auf Leben auch den Schritt ins Neue Jahr bestimmt.

In der Ballade der Höhner heißt es einer Strophe: Wenn du niemals an wat Neuem leckst, wirst du niemals wissen, wie dat schmeckt“.

Das wünsche ich Ihnen für das Neue Jahr – das es vieles Neues gibt, das gut schmeckt und in Ihnen immer neu die Lust am Leben weckt.

Foto im Text: Radka Schöne  / pixelio.de

Apropos „neues Jahr“ – wenn Sie Lust haben, mich auf einer Reise zu begleiten, dann schauen Sie doch mal auf meine Seite: miteinanderreisen.blog

Und zum Schluß „endlich“ das Video der Höhner aus dem Jahre 1996. Den gesamten Text finden Sie im Kommentar.

27.12.2020 Rückblick auf einen gemeinsamen Weg

Miteinander sind wir durch den Advent gegangen.
Ich hoffe, ein paar Gedanken, Bilder, Musikstücke haben Sie angesprochen und Ihnen geholfen bei der geistlichen Vorbereitung auf das Fest.
Es hat mich gefreut, miteinander unterwegs gewesen zu sein – auch wenn es nur virtuell über dieses Medium war.

Vielleicht bleiben Sie diesem Blog treu. Es wird immer wieder ein „WortzumTag“ geben – nicht jeden Tag wie in der Adventszeit.
Gerne weise ich Sie auch hin auf die Seite miteinanderreisen.blog – dort finden Sie die Reisen, die ich übers Jahr begleite in Deutschland, Europa und nach Israel.

Sie haben wahrscheinlich gemerkt, dass mir die Menschen im Heiligen Land besonders am Herzen liegen. Die Christen dort haben unsere Unterstützung verdient. Auf der Seite bonn-hilft-bethlehem sind alle Informationen zusammengetragen. Über meine Webseite www.wilfried-schumacher.de können Sie mit mir in Kontakt treten.

Für heute verabschiede ich mich von Ihnen. Ein letztes Musikstück habe ich noch für Sie: den Schlußchoral des Weihnachtsoratoriums von J.S.Bach. Er endet mit den Worten „Bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht.“ Ein Wort das tröstet und Mut macht. Bleiben Sie gesegnet.
Ihr Wilfried Schumacher

(c) Wilfried Schumacher

Weihnachten

Tageslesungen
in der Nacht: Jes 9,1-6 | Tit 2,11-14. | Lk 2,1-14,
am Morgen: Jes 62,11–12 | Tit 3,4–7 | Lk 2,15–20
am Tag: Jes 52,7–10 | Hebr 1,1–6 | Joh 1,1–18

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Joh 1,9

Video von 2016
Krippe aus Carrara-Marmor – Monika Michelotti 2010 – Krippenmuseum Bethlehem

(c) Wilfried Schumacher

Dienstag in der 4.Adventswoche – Heiliger Abend

Tageslesungen
2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16.| Lk 1,67-79.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78-79)

(c) Klicker / pixelio.de

Weil Gottes Sohn Mensch wurde, kommt er in jedem Menschengesicht vor. (Kyrilla Spieker)

Nur eine gute Minute – Musik zur Einstimmung in den Tag

(c) Wilfried Schumacher

4.Advent

Tageslesungen
Jes 7,10-14 | Röm 1,1-7. | Mt 1,18-24
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben. (Jes 7,14 )

In Jesus wurde Gott der Emmanuel, der »Gott-mit-uns«, der Gott, der an unserer Seite geht, der sich in unsere Angelegenheiten „verwickelt“ hat, in unsere Häuser gekommen ist und unter unseren „Kochtöpfen“ zu finden ist, wie die heilige Teresa von Jesus gern sagte.
Papst Franziskus

Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen. heißen Emmanuel: “Gott mit uns”.
O du, die du Zion frohe Botschaft verkündigst, steige auf zu dem hohen Berge; o du, die du Jerusalem frohe Botschaft bringst, erhebe deine Stimme mit Macht, erhebe sie und fürchte dich nicht; verkündige den Städten Judas: Seht euern Gott.
Mache dich auf, strahle, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir erschienen.
Händel Messiah Nr.8

(c) Wilfried Schumacher

Samstag in der 3.Adventswoche

Tageslesungen
Hld 2,8-14 | Lk 1,39-45
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Lk 1,45

Besuch Marias bei Elisabeth – Martin Schongauer (1480) – Musee Unterlinden Colmar

Letzter Einkaufssamstag. Nicht auf die Größe und den Wert der Geschenke kommt es an, sondern ob Liebe drin ist. (Lies auch)

(c) Wilfried Schumacher

Genießen Sie die Musik – gute 3 Minuten

Freitag in der 3.Adventswoche

Tageslesungen
Jes 7,10-14. | Lk 1,26-38.
Der Engel trat bei ihr ein. (Lk 1, 28a)

Wenn man von oben auf das heutige Nazareth herabschaut, ist der Turm der Verkündigungsbasilika auf den ersten Blick kaum auszumachen. Was an dieser Stelle lokalisiert wird, ist zwar einzigartig in der Menschheits-geschichte, und doch fügt es sich ein in das Alltägliche heute. Das provoziert.
Zuerst einmal ist die Botschaft der Bibel eindeutig: es geschah nicht irgendwo in einem Märchenland, sondern der Engel wird von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer jungen Frau namens Maria gesandt. (Lukasevangelium 1.Kapitel Vers 26)
Ganz lapidar schreibt der Evangelist: „Der Engel trat bei ihr ein“. Folgt man den Darstellungen der Kunst, so trifft er auf eine Frau, die eben noch in einem (heiligen) Buch gelesen hat und ganz bereit und offen ist, den Gruß des Engels und seine Botschaft anzuhören.
Was aber, wenn Maria beschäftigt war? Vielleicht mit irgendeiner Hausarbeit? Mit Kochen, mit Putzen? Ganz so abwegig ist der Gedanke nicht, denn auch Jesus hat seine Jünger nicht beim Bibelstudium oder in der Synagoge berufen, sondern vom Fischerboot und von der Zollstation weg.
Mir gefällt der Gedanke, dass Maria sich erst einmal bereit machen musste, sich lösen musste von ihrer Tätigkeit, um sich der schwierigen Botschaft zu öffnen. Es fiel ihr vielleicht leicht, weil sie nicht von jenem Hochmut besessen war, dass Gott in dieser Welt nicht vorkommt.
Sie sagt „JA“ zum Ansinnen Gottes, dass sein Sohn in ihr Mensch werden soll. So kann an diesem Ort der Himmel die Erde berühren.
Bleibt die Frage: wen findet der Engel vor, wenn er bei mir eintritt? Und wie findet er mich vor?
Wann? – das wird mir in Nazareth immer wieder bewusst: in den Alltäglichkeiten meines Lebens.
Wird er von mir auch ein JA bekommen?

(c) Wilfried Schumacher

Donnerstag in der 3.Adventswoche

Tageslesungen
Ri 13,2-7.24-25a. | Lk 1,5-25

Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. (Lk 1,13-14a ?

„Das Opfer des Zacharias“ – Harlinger Aardewerkmuseum (c) wikimedia
Die Ankündigung Johannes des Täufers geschieht, als der Priester Zacharias das Heiligtum des Tempels betritt, bereit die liturgische Zeremonie zu beginnen, während die Menge draußen wartet. Die Verkündigung Jesu dagegen ereignet sich in einem abgelegenen Ort Galiläas, in einer Stadt in der Peripherie mit einem nicht besonders guten Ruf (vgl. Joh 1,46), in der Anonymität des Hauses eines Mädchens namens Maria.
Ein nicht unwichtiger Gegensatz, der uns darauf aufmerksam macht, dass der neue Tempel Gottes, die neue Begegnung Gottes mit seinem Volk an Orten stattfinden wird, wo wir uns das normalerweise nicht erwarten, an den Rändern, in der Peripherie. Dort werden sie sich verabreden, dort werden sie sich begegnen, dort wird Gott Fleisch werden, um gemeinsam mit uns auf dem Weg zu sein, angefangen vom Schoß seiner Mutter. Jetzt wird er nicht mehr an einem Ort sein, der nur wenigen vorbehalten ist, während die Mehrheit wartend draußen bleibt.
Papst Franziskus

(c) Wilfried Schumacher

Mittwoch in der 3.Adventswoche

Tageslesungen
Jer 23,5-8. | Mt 1,18-24.
Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Mt 1,24

Ikone in der Kapelle der Gemeinschaft Chemin Neuf in Nazareth (c) Wilfried Schumacher
Auf Ikonen wird Josef oft als Randfigur dargestellt. Er ist ein Mann der Tat, nicht der Worte! Kein einziges Wort ist uns von ihm überliefert. Eigentlich bedarf sein Handeln keiner Deutung, keines zusätzlichen Wortes. Er ist einer von denen, von denen diese Welt letztlich lebt, von denen es viele gibt im Neuen Testament, und die wir so gerne übersehen, weil sie sich nicht lautstark bemerkbar machen wollen oder können.
Die, die im Licht stehen, bedürfen derer, die in ihrem Schatten leben. Wir können es im Alltag unseres Lebens durchbuchstabieren: was wäre der beste Chef ohne seine umsichtige Sekretärin, was wäre die beste Schauspielerin ohne ihren Agenten, was wäre der beste Koch ohne seine Küchenhilfen, was wäre der beste Herzchirurg ohne die OP-Schwester, was wäre die beste Politikerin ohne die vielen, die ihr zuarbeiten, was wäre unsere Gesellschaft ohne die vielen Namenlosen, die niemals Schlagzeilen machen, die nie im Rampenlicht stehen, ohne die aber nichts richtig vorankommen würde.
Josef scheint der Patron all dieser Randfiguren zu sein. Er rückt sie alle ins rechte Licht.

(c) Wilfried Schumacher

In einer Woche ist Weihnachten! Suchen Sie noch jemanden, dem Sie eine Freude machen können? Wie wäre es mit den Mädchen und Jungen im Jugendclub der Salesianer in Bethlehem. 35.-€ kostet es, eins von ihnen ein Jahr lang zu betreuen. Damit sie Freude und Miteinander erfahren, Spiel und Spaß, statt Hass, Streit, Tränen. Überweisen Sie Ihre Spende anBonn Bethlehem Soccer Club / Don Bosco IBAN: DE30 3705 0198 1934 4606 90 BIC: COLSDE33XXX Verwendungszweck: Spende WortzumTag – mehr erfahren auf der Webseite