Ostern 2020 – Wir brauchen Osteraugen

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Der verstorbene frühere Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, hat einmal in einem Ostergruss allen „Osteraugen“ gewünscht.  Dabei bezog er sich auf einen Brauch in der Gegend von Piemont. Wenn am Morgen des Ostersonntags zum ersten Mal die Glocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene an den Dorfbrunnen und waschen sich die Augen mit dem kühlen, klaren Brunnenwasser.

Manche wissen wahrscheinlich gar nicht mehr warum sie zum Brunnen laufen. Ursprünglich war es eine Art Gebet: man wollte Osteraugen haben, die klarer sehen, was an Ostern geschehen ist. Immer wieder hören wir in den Evangelien, dass die Menschen den Auferstandenen nicht erkannten, dass ihre Augen gehalten, sie mit Blindheit geschlagen waren.

Es scheint, dass wir wirklich „Osteraugen“ brauchen, ein Sehen, das uns geschenkt wird. Die Taufe hat uns diese Möglichkeit zum österlichen Sehen geschenkt. Aber es geht nicht nur darum, zu sehen, wo der Auferstandene am Werk ist, sondern auch wahrzunehmen, wo dem Tod das Handwerk gelegt werden muss.
Österliche Menschen lassen den Tod nicht einfach zu:
dort wo Schuld ist, suchen sie, zu vergeben;
dort wo Trennung herrscht, bemühen sie sich um Einheit;
dort wo Wunden schmerzen, wollen sie heilen.

Österliche Menschen sehen die Tränen in den Augen der anderen und wischen sie ab, damit auch sie einen klaren Blick bekommen.
Österliche Menschen nehmen wahr, wo andere zu zerbrechen drohen.
Österliche Menschen lassen es nicht zu, wenn sich eine Gesellschaft in ihrer Raffgier, Profitsucht, Neid, Mißgunst, Hektik, Ausbeutung der Schöpfung u.v.a.m. auf einer endlosen, schleimigen, dunklen Rutschbahn in die Unterwelt des Todes befindet.

Gerade in diesen Tagen, in denen das Corona-Virus unsere Welt und unser ganz persönliches Leben durcheinanderwirbelt, brauchen wir „Osteraugen“, um zu sehen und zu handeln – gerade auch dann, wenn der Exit aus dem „Lockdown“ ansteht.

Das Kreuz ist ein „Feldzeichen“ und kein Pausenzeichen. Nehmen wir den Kampf mit dem Tod auf! Der Gekreuzigte hat ihn schon für uns gewonnen.

Auch ich wünsche Ihnen „Osteraugen“ !
Gesegnete Ostern und bleiben Sie gesund!

In der Karwoche hat sich eine kleine Community gebildet: das Netzwerk lukas19 mit gemeinsamen Video-Konferenz-Gottesdiensten. Informieren Sie sich gerne auf der Webseite: www.lukas19.de

(c) Wilfried Schumacher

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