Mittwoch in der Karwoche

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.
(Mt 26,20-25)

Warum verriet er Jesus? Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, als er gesehen habe, daß die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Texte der Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt ausdrücklich: »Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern« (Joh 13,2). Ähnlich schreibt Lukas: »Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3). Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab. Der Verrat des Judas bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis. Jesus hat ihn als Freund behandelt (vgl. Mt 26,50); bei seinen Aufforderungen, ihm auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen, übte er jedoch niemals Zwang auf den menschlichen Willen aus, noch bewahrte er ihn vor den Versuchungen Satans und respektierte damit die menschliche Freiheit.
Benedikt XVI.

Der Verrat des Judas beschäftigt die Christen seit den Tagen der Urkirche. Wie kann ich verhindern selbst ein Judas zu werden?  Jeder der Zwölf hielt es für möglich, der Verräter zu sein. Treue und Verrat liegen nahe beieinander.

Judas schläft nie!
Wort aus Serbien

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(c) Wilfried Schumacher

Dienstag in der Karwoche

Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
(Joh 13,37-38)




Petrus wollte seinen Meister belehren, er wollte ihm vorausgehen, aber es ist Jesus, der hingeht, um für Petrus zu sterben; und Petrus hatte das nicht verstanden, er wollte es nicht verstehen. […] Wie schwierig ist es, sich wahrhaft lieben zu lassen! Wir hätten immer gern, dass es an uns etwas gäbe, für das wir uns nicht erkenntlich zeigen müssen, während wir in Wirklichkeit für alles Schuldner sind, weil Gott der Erste ist und uns zur Gänze mit Liebe rettet.
Papst Franziskus

Kann ich mich von Gott lieben lassen? Oder verweigere ich mich wie Petrus?

Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht,
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht,
wenn dein Herz wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdenn will ich dich fassen
in meinem Arm und Schoß.
(Matthäus-Passion von J.S.Bach)

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(c) Wilfried Schumacher

Montag in der Karwoche

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später auslieferte, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? (Joh 12,1-4)

Man kann die Ansicht vertreten, Gebet und Tat seien Gegensätze oder schlössen sich gegenseitig aus. Gebet ohne Tat wird zu kraftlosem Pietismus, und Tat ohne Gebet entartet zu fragwürdiger Manipulation. Wenn das Gebet uns zu tieferer Einheit mit dem mitleidenden Christus führt, wird es immer konkrete Dienste nach sich ziehen.
Henri Nouwen

Wie steht es um mein Gebet? Wie steht es um meinen Dienst an den „Armen“?

Lasst uns den Hass,
das bittere Leid fortlieben
aus der dunklen Zeit.
– aus einem Kirchenlied

Musik zum Tagesevangelium

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(c) Wilfried Schumacher

Palmsonntag

Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte er zwei seiner Jünger aus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht es; er lässt es bald wieder zurückbringen. (Mk 11, 1-3)

Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen. Aber dieser Sonntag ist etwas Besonderes, heute beginnt die Heilige Woche.

Das wünsche ich mir: vom Herrn gebraucht, aber nicht verbraucht zu werden.

Wir stehen am Anfang der Karwoche. Wenn wir wirklich Christen sein wollen, muß, müßte diese Woche eine Zeit sein, in der wir in besonderer Weise teilnehmen an der Passion Jesu. Dies geschieht nicht in erster Linie in frommen Gefühlen, sondern in der schlichten, nüchternen Tapferkeit ohne Aufsehen, mit der wir uns und die Mühsal unseres Lebens annehmen und durchtragen.
(Karl Rahner)

Es ist eine gute Tradition, dass an Palmsonntag für die Christen im Heiligen Land gesammelt wird. Ich habe seit einigen Jahren ein Herzensprojekt, den Kindergarten der Borromäerinnen in Jerusalem. Die Ordensschwestern haben auch ein Gästehaus, das seit Beginn der Pandemie geschlossen ist und dessen Erlös auch in den Betrieb des Kindergarten fließt. Die Not ist also groß. HIER lesen Sie mehr über das Projekt. Dort finden Sie auch die Kontonummer. Bitte geben Sie bei der Überweisung „wortzumtag“ mit an. Danke für Ihre Hilfe.

Eine vielleicht etwas ungewohnte, aber hörens- und sehenswerte Darbietung!

Kennen Sie schon „lukas19“? Die Netzgemeinde, die sich seit Palmsonntag 2020 jeden Sonntag um 10 Uhr zum Video-Gottesdienst trifft?
Auch an den Kar- und Ostertagen!
Mehr zu diesem Projekt und Tage und Uhrzeiten finden Sie HIER!

(c) Wilfried Schumacher

Samstag nach dem 5.Fastensonntag

Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
1 Petr 2,24


Die „Dynamik der Sünde“ hat in dieser Woche unsere Gedanken bestimmt. „Bitten wir den Herrn darum, dass er uns die Freiheit des Geistes und des Herzens verleihe, durch die wir zu Frieden, Demut und Freude gelangen. Dass er uns auch etwas Humor schenke, um über den Prozess nachzudenken, der sich in unserer Seele abspielt und nach und nach bei den verschiedenen Gelegenheiten unser ganzes alltägliches Leben durchdringt. Das möge uns dazu führen, die begangenen Sünden zu beweinen und uns gänzlich vor dem strahlenden Antlitz Gottes und Christi zu läutern“ (Carlo Martini).

Eine etwas ungewohnte Präsentation – nicht in Konzert-, sondern in Alltagskleidern – so alltäglich wie die Sünde und wie Gottes Barmherzigkeit

O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unsrer Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.

Morgen ist Palmsonntag: Lukas19 – trifft sich um 10 Uhr zum Video-Gottesdienst mit Palmweihe – mehr dazu HIER!

(c) Wilfried Schumacher

Freitag nach dem 5.Fastensonntag

Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester und die Schriftgelehrten und sagten untereinander: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Der Christus, der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben.
Mk 15,31-32

Jetzt wollen sie glauben! Dahin hat sie die „Dynamik der Sünde“ geführt. Was ihnen am Anfang nicht möglich war, Gott etwas zuzutrauen; jetzt soll es geschehen. Es ist schon Paradox: jetzt wo er dort ist, wohin sie haben wollten, gewähren sie ihm den Titel „Christus“. Hier offenbart sich die ganze Verlogenheit ihres Tuns.
Es bleibt einem Heiden, dem römischen Hauptmann vorbehalten, an diesem Ort ein Glaubensbekenntnis zu sprechen: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“ (Mk 15, 39)

Jesus hat die Geschichte geändert, indem er zu uns gekommen ist, und hat sie, wenngleich sie immer noch unter dem Eindruck des Bösen steht, zur Heilsgeschichte gemacht. Indem er am Kreuz sein Leben hingegeben hat, hat Jesus auch den Tod besiegt. […] Wir können unsere Geschichten ändern, indem wir uns ihm nähern und das Heil annehmen, das er uns anbietet.
Papst Franziskus

(c) Wilfried Schumacher

Donnerstag nach dem 5.Fastensonntag – Fest der Verkündigung des Herrn

Es war zwei Tage vor dem Pascha und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten.
Mk 14,1


Die Entscheidung ist gefallen. Das Böse hat sich der Schriftgelehrten endgültig bemächtigt. Was in Kafarnaum bei der Heilung des Gelähmten begonnen und sich in vielen Begegnungen fortgesetzt hat, wird jetzt in die Tat umgesetzt: Jesus muss sterben.

Papst Franziskus sagt: „Es gibt ein Böses in unserem Leben, das eine unbestreitbare Gegenwart ist. Die Geschichtsbücher sind das trostlose Verzeichnis davon, wie sehr unsere Existenz in dieser Welt ein Abenteuer gewesen ist, das oft zum Scheitern verurteilt war. Es gibt ein mysteriöses Böses, das gewiss nicht das Werk Gottes ist, sondern das sich heimlich in die Geschichte einschleicht: geräuschlos wie die Schlange, die still das Gift mit sich bringt. Manchmal scheint es die Oberhand zu gewinnen: An gewissen Tagen scheint seine Gegenwart sogar deutlicher zu sein als die der Barmherzigkeit Gottes.“


Zum heutigen Festtag: Himmel und Erde haben sich berührt. – Video aus dem Jahre 2017

(c) Misereor-Material

Mittwoch nach dem 5.Fastensonntag

Die Hohepriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil das Volk außer sich war vor Staunen über seine Lehre.
Mk 11,18

Sie fürchten ihn“ – die Angst hat die Schriftgelehrten jetzt selbst erreicht. Sie fürchten ihre Macht und ihren Einfluß über die Menschen zu verlieren. Die Dynamik der Sünde führt sie dazu, nach einer Möglichkeit zu suchen, ihn umzubringen.

Angst verhindert Vertrauen,
aus Angst werde ich selbstsüchtig, weil ich fürchte zu kurz zu kommen,
aus Angst werde ich neidisch, weil ich fürchte zu kurz zu kommen,
aus Angst werde ich habgierig, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen,
aus Angst neige ich zur Völlerei, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen.
Aus Angst werde ich wolllüstig, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen.
Machen Sie mal den Selbsttest, hinterfragen Sie mal alle möglichen Sünden. Am Ende können Sie sie alle auf diesen einen Satz reduzieren. Angst, zu kurz zu kommen, Angst nicht geliebt zu werden, Angst von Gott, der die Liebe ist, getrennt zu sein.
Wolfgang Severin

(c) Wilfried Schumacher

Dienstag nach dem 5.Fastensonntag

Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Mk 3,22


„Er ist besessen!“ – das macht Angst; die Dynamik der Sünde nimmt Fahrt auf. „Der Vorwurf der Besessenheit ist ein Fundamentalangriff auf die Sendung Jesu“ (Martin Ebner). Angst zu schüren, unterstützt die Gegner Jesu in ihrer Absicht. Er ist………/ sie ist……… – wer kennt sie nicht die schlechten Attribute, die wir manchmal dem/der Anderen zuschreiben?

Wie wichtig ist es, das Herz zur Fürsorge, zur Wertschätzung von Menschen und Dingen zu erziehen.
Papst Franziskus

(c) Wilfried Schumacher

Montag nach dem 5.Fastensonntag

Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten in ihrem Herzen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
Mk 2,6-7


In dem Wort von dem „einen Gott“ verbirgt sich das zentrale Glaubensbekenntnis des Judentums. „Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig“.(Dtn 6,4) Was die Schriftgelehrten erleben, das kann nicht sein, das darf nicht sein. Glaubenssatz und Wirklichkeit stimmen nicht überein. Was trauen sie Gott zu in dieser Situation?

Glauben heißt,
die Unbegreiflichkeit Gottes
ein Leben lang auszuhalten.

Karl Rahner

(c) Wilfried Schumacher