Ostern 2021 – Auf nach Galiläa

„Sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich.“ Damit endet ursprünglich das Markus-Evangelium.(Mk 16,8). Und jetzt? Keine der Ostergeschichten, die so schön helfen, im Ansatz zu verstehen, was geschehen ist: kein Wort über die Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala, kein Wort von den Emmaus-Jüngern, keine Erzählung von dem zweifelnden Thomas.
Nur dieser eine Hinweis: „Er geht euch voraus nach Galiläa“. Wir werden uns also aufmachen müssen, so wie die Jünger damals.
Allerdings dieses Galiläa finden wir auf keiner Landkarte, dieses Galiläa ist unsere Welt, die Glaubenden und die Ungläubigen, die Frommen und die Lauen, die Heiligen und die Sünder, die Guten und die Bösen.
Dieses Galiläa ist unsere Alltagswelt, das, was wir tagtäglich erleben. Dort finden wir den Auferstandenen. Jetzt sind wir an der Reihe. Wir müssten uns jetzt erzählen, wie wir in unserem Alltag die Spuren des Auferstandenen entdecken. Dort nämlich, wo das, was Jesus gesagt und getan hat, nicht beschränkt bleibt auf seine irdischen Jahre, sondern auch heute noch erlebt wird: Zuwendung, Heilung, Versöhnung, Vergebung.
Wo sich all die Geschichten, die wir aus den Städten und Dörfern Galiläa kennen, sich heute in unserer Stadt ereignen. Jetzt müssten wir davon sprechen, wie wir den Herrn getroffen haben: in all den Menschen, mit denen er sich solidarisierte: mit den Kranken, den Fremden, den Ausgestoßenen, den Leidenden. Jetzt müssten wir berichten von den Augenblicken in unserem Leben, wo es nach langer Nacht in unserer Seele wieder Tag wurde, wo wir neue Hoffnung schöpften, wo es plötzlich doch wieder Zukunft gab!

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung“, heißt es in einem Kirchenlied. Wir finden sie mitten in dieser Welt, die vielen kleinen Hoffnungsgeschichten. Das Licht der Osterkerze steht stellvertretend für die vielen kleinen Lichter, die im Galiläa unseres Lebens brennen und dort die Dunkelheit besiegen. Machen wir es nicht wie die Frauen im Markus-Evangelium. Schweigen wir nicht! Haben wir keine Angst, reden wir davon, wie wir dem Auferstandenen in unserem Galiläa begegnen. Wir brauchen keine Ostergeschichten: wir sind Maria von.Magdala, wir sind die Emmaus-Jüngern, wir sind der ungläubige Thomas. Also dann: auf nach Galiläa. Ich bin dabei. Gehen Sie auch mit?

Ich wünsche Ihnen Gesegnete Ostern und bleiben Sie gesund!

(c) Wilfried Schumacher

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