Fastenzeit – 3.Woche

Vorweg: ein wenig Musik und die Einladung, noch einmal zurückzuschauen auf die vergangene Woche:
haben Sie „feste Bräuche“ entdeckt, die Ihnen helfen, zu leben? Wovon mussten Sie sich verabschieden, weil es keine gute Gewohnheit war. Haben Sie sich Notizen gemacht?

Wüste

Carlo Caretto schreibt in seinem Buch  „Wo der Dornbusch brennt“: „Wenn das kontemplative Leben nur hinter Klostermauern oder im Schweigen der Wüste möglich wäre, dann müssten wir, um gerecht zu sein, jeder Familienmutter ein kleines Kloster geben und den Luxus einer kleinen Wüste dem Hilfsarbeiter, der im Lärm einer Stadt leben muss, um hart sein Brot zu verdienen … Wenn du nicht in die Wüste gehen kannst, musst du dennoch in deinem Leben die Wüste suchen. Bring ein Stück Wüste in dein Leben! Verlass von Zeit zu Zeit die Menschen, such die Einsamkeit, um im Schweigen und Gebet deine Seele zu erneuern! Das ist unentbehrlich. Das bedeutet, ‚Wüste‘ in deinem Leben.
Überleg, wo du stehst, deine Arbeit, deine Aufgaben, deine Beziehungen, die Zeitung, die du liest – alles zusammen betrachte als eine Einheit, der du nicht entfliehen darfst. Wüste ist dann kein geographischer Ort, sondern Wüste sind die Minuten, in denen du dich besinnst. Schließe die Augen, atme tief durch! Schaff dir eine, Wüste‘ in deiner Stadt, eine Ecke in deinem Haus, einen Platz in deinem Garten. Bring ein Stück Wüste in dein Leben!“

  • Fragen
  •      Wann bin ich mal ganz allein?
  •      Halte ich Stille und Schweigen aus?
  •      Verdränge ich die Einsamkeit mit Lärm und Ablenkung?

Wüste ist ein zweideutiger Begriff. Carlo Caretto beschreibt sie sehr positiv, für ihn ist die Wüste der Ort der Gottesbegegnung. Für andere ist Wüste ein sehr negatives Bild des eigenen Lebens. Vielleicht entspricht letzteres unserem gegenwärtigen Lebensgefühl: nach zwei Jahren Pandemie im Angesicht eines Krieges in Europa.
Beide Bilder dürfen wir zulassen.

Es macht die Wüste schön, dass sie einen Brunnen birgt

Brunnen in der Sahara
Image by Michael Siebers from Pixabay

Ohne Wasser hält man es in der Wüste nicht lange aus. Der Vorrat, den man sich von zu Hause mitgenommen hat, wird zwar eine Weile ausreichen, aber irgendwann wird man doch aus einer Quelle, die am Wege liegt oder die man selbst gegraben hat, schöpfen müssen. Mit der Wünschelrute der eigenen Intuition hat man vielleicht die Stelle, an der man graben muß, selbst erst entdeckt. Manchmal muß man in sehr tiefe Erdschichten vorstoßen, um an Wasser zu kommen.

Fragen
* Wo liegen die Quellen meines Lebens?
* Welche sind verstopft oder versiegt und wie kann ich sie wieder zum Sprudeln bringen?
* Wo und wie kann ich neue Quellen entdecken? Gerade auch in diesen Zeiten.

Sie sind eingeladen, zu beten:
„Alle meine Quellen entspringen in dir –
in dir, mein guter Gott.
Du bist das Wasser, das mich tränkt
und meine Sehnsucht stillt.
Du bist die Kraft, die Leben schenkt,
eine Quelle, welche nie versiegt.
Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor.“

Dieser Impuls muss nicht am ersten und auch nicht an einem Tag „bearbeitet“ werden. Sie haben eine Woche Zeit (und wenn Sie wollen, auch noch länger). Manches benötigt die „rechte Zeit“ und den „rechten Ort“. Und: vielleicht schreiben Sie auf, was Sie bewegt.

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