Fastenzeit 4.Woche

Zu Beginn wieder etwas Musik und die Einladung, noch einmal zurückzuschauen auf die vergangene Woche: konnten Sie in die innere Wüste gehen? Vor allem aber haben Sie die Quellen Ihres Lebens (wieder neu) entdeckt. Haben Sie sich Notizen gemacht?

Berührung Gottes

Ich war zwar religiös: ich kniete jeden Tag mit gefalteten Händen auf dem Bett und sprach mein Gebet, dachte aber immer seltener an den lieben Gott. Einige Jahre verkehrte ich dann noch offiziell mit dem Allmächtigen. Ein einziges Mal hatte ich das Gefühl es gäbe ihn. Ich wollte eine Untat vertuschen, als Gott mich plötzlich sah. Ich wurde furchtbar böse wegen dieser dreisten Taktlosigkeit; ich fluchte. Gott sah mich seitdem nie wieder an. Da Gott in meine Herzen keine Wurzeln schlug, vegetierte er nach einiger Zeit in mir und starb. (Jean Paul Sartre)

Selbst Jean Paul Sartre gesteht, dass Gott ihn persönlich einmal angerührt hat…..aber er schlug in seinem Herzen keine Wurzeln. Der Beginn einer Beziehung zu Gott ist immer das Angerührtsein, auf weIche Weise es auch geschehen sein mag. Oft ist es nur eine tiefe, unstillbare Sehnsucht, die ich im Nachhinein als die Berührung Gottes, als sein »Mich-Ansprechen« erkenne.

Gott hat mit jedem Menschen seine eigene Geschichte, die sich in der Geschichte des Lebens abspielt. Meine persönliche Heilsgeschichte ist verborgen unter den scheinbar zufälligen Geschehnissen und Ereignissen meines konkreten Lebens.

Wenn ich still werden kann, wenn ich es schaffe, mitten im Leben in die Wüste zu gehen (siehe Impuls vergangene Woche), kann ich in meiner Lebensgeschichte diese ganz persönliche, d.h. meine, Heilsgeschichte erkennen.

Erst im Nachhinein wird manches als »Berührung Gottes« bewußt, was ich bislang noch nie unter dieser Perspektive gesehen habe.

Einige Hilfen, um diese neue Blickrichtung auf mein Leben einzuüben:

Œ(1) 1 Könige 19, 11- 13
Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

Es sind nicht die gewaltigen Erfahrungen (Sturm, Erdbeben, Feuer), in denen Gott uns anrührt. Es ist „eine Stimme verschwebenden Schweigens“(M.Buber), in der Gott zu mir spricht.

(2) Psalm 139
Herr, Du hast mich erforscht und Du kennst mich…

Ich betrachte Vers für Vers dieses Psalms, verweile dabei so lange, bis ich entdecke, wie einzelne Bilder ihre Entsprechung in meinem Leben finden – oder ich lese den ganzen Psalm und kehre zurück zu den Versen, die mich besonders „ansprechen“.

Ž(3) Von Dietrich Bonhoeffer stammt das Wort:
Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge
zum Besten dienen lassen

Fragen:
*     Wann habe ich so etwas in meinem Leben erlebt?
* Wo habe ich erfahren, dass sich Schweres im Nachhinein als „Segen“ erwiesen hat?

Es sind die eigenen Erfahrungen, die mein Bild von Gott prägen und auch im Laufe eines Lebens verändern. Ich kann dies dankbar wahrnehmen.

Einladung zum Gebet
Du Gott meines Lebens,
ich vertraue, dass du mein Leben führst und begleitest,
ich glaube, dass kein Ereignis meines Lebens aus deiner Liebe herausfällt,
ich hoffe, dass alle großen und kleinen Schritte meines Lebens zu dir führen,
ich möchte alle meine Tage annehmen, weil du sie mir schenkst.

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