Dienstag nach Ostern

48 Impulse haben Sie durch die Fastenzeit, an den Kartagen und an Ostern begleitet. Gerne habe ich Sie Ihnen zur Verfügung gestellt. Heute habe ich eine Bitte:

Meine große Leidenschaft gilt der Hilfe für Kinder und Jugendliche im Heiligen Land, in Bethlehem und Jerusalem. Bitte helfen Sie mir dabei, den Kindern eine Zukunft zu geben. Die Webseite informiert Sie ausführlich und nennt Ihnen auch die Spendenkonten: www.bonn-hilft-bethlehem.de

Auf der Webseite finden Sie auch die Spendenkonten.

„Wort zum Tag“ macht jetzt Pause! Wenn Sie mir übers Jahr folgen wollen, dann gehen Sie auf meinen Blog: blog.wilfried-schumacher.de – „Geistliches, was auffällt, einfällt, zufällt“.

(c) Wilfried Schumacher

Karsamstag

Karsamstag – stille Zeit
Zwischenzeit.
Der Mensch – Karsamstagsexistenz.
Zwischen Bangen und Hoffen
Zwischen Erde und Himmel
Zwischen Tod und Auferstehung.
Noch sind die Gräber geschlossen.
Aber der Vorhang ist zerrissen
zwischen Erde und Himmel.
Die Erde hat gebebt
und die Steine haben geschrien
unter dem Gewicht der Welt.
Der Karsamstag ist ein seltsamer Tag, geheimnisvoll und schweigsam. Er ist ein liturgiefreier Tag.
(Karl Rahner)

Heute geht es darum, den Tod auszuhalten – um morgen das Leben zu feiern. – Ich kann der Erfahrung des Karsamstags in meinem Leben nachspüren.

Dieses rechte Leben des Karsamstags unseres Daseins […]konkretisiert sich in dem, was den Alltag zu einem menschlichen Alltag macht: in der Geduld, die warten kann, im Humor, der nicht alles tragisch nimmt, in der Bereitschaft, andere vorzulassen, in der Zuversicht, dennoch anzukommen, im unverdrossenen Mut, der immer wieder nach einem Ausweg sucht. Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut.
(Karl Rahner)

(c) Wilfried Schumacher

Karfreitag

Johannes der Täufer (Isenheimer Altar)

Die ganze Fastenzeit über hat uns ein Ausschnitt des Isenheimer Altar begleitet. Heute wollen wir genauer hinschauen und betrachten:

Dieser da am Kreuz!
Haben Sie in einer der Passionen bei den Evangelisten etwas von Johannes dem Täufer unter dem Kreuz gelesen? Weder in der des Johannes noch in den anderen Evangelien ist er Zeuge der Kreuzigung. Mehr noch: nach dem Ausweis des Matthäus-Evangelium ist er schon einige Zeit tot, enthauptet durch Herodes. Was hat er auf dem Isenheimer Altar des Mathias Grünewald zu suchen?
Betrachten wir die rechte Seite des Kreuzigungsbildes betrachten. Der Maler will keine historische Wiedergabe des Geschehens auf Golgatha präsentieren, sondern eine theologische Verkündigung. So ist auch die Darstellung desTäufers hier zu rechtfertigen und zu hinterfragen.
Einsam steht er da auf der rechten Seite – „Keine Gestalt steht in der Bibel einsamer da als der weder ganz zum Alten noch ganz zum Neuen Bund zählbare Täufer“, sagt der Theologe Hans Urs von Balthasar. Und es stimmt, der Täufer kommt mir hier vor, wie ein Zeuge aus einer anderen Welt.
Einsam ist er in dieser Stunde – im Gegensatz zu den anderen Personen unter dem Kreuz geht sein Blick nicht zum Gekreuzigten.
Vielmehr sucht er mit den Augen sein Gegenüber, Johannes den Apostel, seinen ehemaligen Schüler. Damals am Jordan hat er mit viel Überzeugung von diesem Jesus als dem Lamm Gottes gesprochen und Johannes war ihm gefolgt. Will er von ihm die Bestätigung für seine Worte von einst erhalten? Einsam ist er – wie damals im Gefängnis als ihn die Zweifel überfielen und er seine Schüler zu Jesus schicken ließ mit der Frage: Bist du es der da kommen soll, oder müssen wir noch auf einen andern warten.
Einsam ist er wie die Kranken, die bei der Einlieferung in das Pesthospital vor diesen Altar gebracht wurden oder wie die Novizen, die hier ihre Profess ablegten. Es gibt solche Stunden, in denen allein sind,in denen wir nicht vertretbar sind, in denen alle Gemeinschaft rechts und links nichts ausrichtet, da stehen wir einsam und allein – wie der Täufer auf diesem Kreuzigungsbild.
Unser Blick fällt auf die ausgestreckte Hand, den überlangen Zeigefinger, mit der er auf den Gekreuzigtenhinweist. Illum opportet crescere, me autem minui, jener muss wachsen, ich aber geringer!
Versetzen wir uns in der Lage der Kranken, die vor diesen Altar gebracht wurden. Der da am Kreuz – er muss wachsen, muss in dir Gestalt annehmen, während du selbst mit deinem Eigensinn, deinenVorbehalten geringer werden muss. Welche eine Zumutung – ein geschundener Leib, mit Wunden übersät– wird zum Vor-Bild schlechthin.
Möchte man da nicht einen anderen strahlenden Leib sehen, so einen, wie ihn uns die Werbung im Fernsehen jeden Tag präsentiert. Einen ohne Schmerzen und ohne Makel? Nein, die Solidarität und Nähe im Leiden kann uns nur der Leidende schenken.
Es stimmt, was der Apostel Paulus sagt: die Verkündigung des Gekreuzigten ist vielen ein Skandal undÄrgernis, und nur für Glaubende ein Zeichen von Gottes Kraft und Weisheit. So steht das Wort des Täufers wie ein Menetekel an die Wand geschrieben, das nur von dem erfasst werden kann, der wie einst der Prophet Daniel aus einer tiefen Gottesbeziehung heraus lebt.
Für den heiligen Ignatius von Loyola gehört die Betrachtung des Gekreuzigten mit zu den wichtigstenÜbungen in seinen Exerzitien. Das Kreuz wird zum Zeichen für alle menschliche Not und alles Leid, für die Zerrissenheit im eigenen Leben und in der Geschichte der Menschheit. Ignatius will, dass der Beter alle Dunkelheit, alle Bosheit, alle Lebenslügen, alle Schuld anschaut und darüber mit dem Gekreuzigten ein Zwiegespräch führt, „wie ein Freund mit dem anderen.“(EB 54)
Vom Heiligen Hieronymus wird erzählt, dass er als 80jähriger in der Geburtsgrotte von Bethlehem fragt,was er Gott als Antwort auf dessen Gabe, den menschgewordenen Sohn, gebe könne. In seinem Inneren vernahm er die Antwort, „Gib mir deine Sünden“.
„Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für dieSünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.“ schreibt der ApostelPetrus. (1 Petr 2,24)
Dieser da am Kreuz – Johannes zeigt auf ihn, der sowohl dem Schwerkranken, der vielleicht mit dem Leben abgeschlossen hat, als auch dem Novizen, der sich vor diesem Bild zur Nachfolge bereiterklärt, so zum Heilszeichen wird. „Gib mir deine Sünden, gib mir deine Unvollkommenheit, deine Zerrissenheit,dein mangelndes Vertrauen“, hören sie vom Kreuz her.
Mutter Teresa hat das Kreuz so gedeutet; „Lieben, bis es weh tut“. Wir kennen solche Situationen etwa aus dem Durchhalten von Krisensituationen in einer Beziehung, vom Schmerz einer Liebe, die keineGegenliebe findet, aus durchwachten Nächten am Krankenbett, vom Umarmen der Hoffnungslosen, aus den Zeiten des Zweifels. Lieben bis es wehtut.
Der da am Kreuz – er hat es am eigenen Leib erlebt – nicht für sich, für uns. Im Johannes-Evangelium steht das Wort des Täufers in einem Zusammenhang, da lesen wir: Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freutsich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. (Joh 3,29)Der Täufer steht hier als Freund des Bräutigams – nur dies gibt ihm die Sicherheit sagen zu können: Er muß wachsen, ich aber muß geringer werden.
Wenn wir jetzt heute zum Kreuz kommen, sind wir eingeladen, als Freunde und Freundinnen des Bräutigams zukommen. Es ist nicht nur ein Tun des Augenblickes, unsere ganze Biografie bringen wir mit zum Kreuz. Nicht nur die erfolgreichen Stunden, sondern auch das Versagen, die Sünde und unsere Schuld.
Am Schluss des Exerzitienbuches des hl. Ignatius steht ein Gebet, das die Frucht seiner Biografie ist,geboren aus einem Leben mit vielen Fragen, Kämpfen, Nöten und Zweifel:
„Nimm hin, Herr,
und empfange meine ganze Freiheit,mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen,meine ganze Habe und Besitz.
Du hast es mir gegeben, Dir Herr, gebe ich es zurück:Alles ist Dein, verfüge nach deinem ganzen Willen;
Gib mir deine Liebe und Gnade, das ist mir genug.“

Das gesamte Altarbild im Musée Unterlinden Colmar

„Es ist vollbracht“- aus der Johannes-Passion von J.S.Bach

(c) Wilfried Schumacher

Gründonnerstag

Tageslesungen
Ex 12,1-8. 11-14| 1 Kor 11,23-26 |Joh 13,1-15

Heute beginnen die drei österlichen Tage. Das Ziel unseres gemeinsamen Wegs durch die österliche Bußzeit, durch die Fastenzeit.

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. (1 Kor 11, 23-24)

(c) angieconscious  / pixelio.de

In unserer Sprache gibt es ein Wort, das ursprünglich bedeutete, das tägliche Brot miteinander teilen, das aber heute einen etwas anderen Beigeschmack bekommen hat: „Kumpan“.
Es kommt aus dem lateinischen „conpanis“ und meint denjenigen, der die gleichen Erfahrungen mit mir macht, die gleiche schwere Arbeit zu leisten hat, der mit mir so vieles teilt, was der Tag bringt.
Auch im Französischen gibt es dieses Wort: „copain“. Es meint den Menschen, der sich aus allen anderen heraushebt und der mir in Freundschaft verbunden ist, einen Menschen, der mir viel bedeutet, der mir so notwendig ist, wie das tägliche Brot.
So gesehen sind wir alle „Kumpane Jesu“, einmal weil er dieses Brot mit uns teilt, und zum anderen, weil er selbst dieses Brot ist – das Geheimnis unseres Glaubens schlechthin.
Wir sind Kumpane Gottes, aber dies macht uns auch zu Kumpanen untereinander.

Die Menschen sehnen sich nach jemandem, der sich hingibt, der heilt und heiligt, der liebt und mit ihnen leidet. Sie finden ihn in Jesus und sie müssen ihn finden in seinen Kumpanen, die ihm auf dem Weg dieser Liebe folgen.

(c) Wilfried Schumacher

Mittwoch in der Karwoche

Tageslesungen
Jes 50, 4 -9a | Mt 26, 14 – 25

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.(Mt 26,20-25)

Warum verriet er Jesus? Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, als er gesehen habe, daß die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Texte der Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt ausdrücklich: »Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern« (Joh 13,2). Ähnlich schreibt Lukas: »Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3). Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab. Der Verrat des Judas bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis. Jesus hat ihn als Freund behandelt (vgl. Mt 26,50); bei seinen Aufforderungen, ihm auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen, übte er jedoch niemals Zwang auf den menschlichen Willen aus, noch bewahrte er ihn vor den Versuchungen Satans und respektierte damit die menschliche Freiheit.
Benedikt XVI.

Der Verrat des Judas beschäftigt die Christen seit den Tagen der Urkirche. Wie kann ich verhindern selbst ein Judas zu werden?  Jeder der Zwölf hielt es für möglich, der Verräter zu sein. Treue und Verrat liegen nahe beieinander.

Judas schläft nie!
Wort aus Serbien

(c) Wilfried Schumacher

Montag in der Karwoche

Tageslesungen
Jes 42,5a.1-7 | Joh 12, 1-11

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später auslieferte, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? (Joh 12,1-4)

„Maria von Betanien nahm mit einem Mal »ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar« (Joh 12,3). Dies ist eine jener Einzelheiten aus dem Leben Jesu, die Johannes in seinem Herzen bewahrt hat und die eine unglaubliche Ausdruckskraft beinhalten. Sie spricht von der Liebe zu Christus, einer wunderbaren, überströmenden Liebe, wie diese über seine Füße ausgegossene »kostbare« Salbe. Eine Tat, die Judas Iskariot natürlich empörte: Die Logik der Liebe kollidiert mit der Logik des Profits.“
Benedikt XVI.

Im Matthäus-Evangelium lesen wir in dieser Szene das Wort Jesu: „Als sie das Öl über mich goß, hat sie meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat« – So ist es bis heute geblieben. Die Botschaft von der Liebe behauptet sich.

Lasst uns den Hass,
das bittere Leid fortlieben
aus der dunklen Zeit.
– aus einem Kirchenlied

(c) Wilfried Schumacher

Palmsonntag

Tageslesungen
Lk 19,28-40 (Evangelium zur Prozession) | Jes 50,4-7 |
Phil 2, 6 – 11 | Lk 22, 14 – 23,56

Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien, an den Berg, der Ölberg heißt, da schickte er zwei seiner Jünger aus  und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt! Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! 3 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann antwortet: Der Herr braucht es. (Lk 19, 29 – 31)

Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen. Aber dieser Sonntag ist etwas Besonderes, heute beginnt die Heilige Woche.

Das wünsche ich mir: vom Herrn gebraucht, aber nicht verbraucht zu werden.

Wir stehen am Anfang der Karwoche. Wenn wir wirklich Christen sein wollen, muß, müßte diese Woche eine Zeit sein, in der wir in besonderer Weise teilnehmen an der Passion Jesu. Dies geschieht nicht in erster Linie in frommen Gefühlen, sondern in der schlichten, nüchternen Tapferkeit ohne Aufsehen, mit der wir uns und die Mühsal unseres Lebens annehmen und durchtragen.
(Karl Rahner)

Musik zum Palmsonntag

(c) Wilfried Schumacher

Samstag nach dem 5.Fastensonntag

Tageslesungen
Ez 37,21–28 | Joh 11,45–5

Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln. (Joh 11,52)

Aber wie diese versammeln? Nicht anders als in einer Gegenbewegung zur Heilsbewegung Israels: durch Zerstreuung seiner Jünger über die ganze Welt, zu allen Völkern, nicht um sie geographisch zu einen, sondern um die überlegene und weltumspannende Einheit des Heils von Kreuz und Auferstehung, von Kirche und evangelischem Leben mitzuteilen. Um universaler zu sammeln, zerstreut Christus, und wer sich mit seiner Sendung von ihm zerstreuen lässt, der sammelt mit ihm. [….] (So) sammelt mit ihm auch der bescheidenste Glaubende, der in seinem alltäglichsten weltlichen Tun den Kontakt des „mit mir“ nicht verliert, mit ihm, der die menschgewordene Liebe Gottes zu seiner Schöpfung ist, und der „Arbeiter“ sucht, ihm bei der Einbringung der Ernte zu helfen.
(Hans Urs von Balthasar )

Vor dem Eintritt in die Karwoche kann ich mir noch einmal bewusst machen, was mir durch die Taufe zugesagt ist: Ich gehöre zum Volk Gottes, das Christus selbst sammelt.
Lasse ich mich von ihm auch zerstreuen?

Zum neuen Gottesvolk werden alle Menschen gerufen. Darum muss dieses Volk eines und ein einziges bleiben und sich über die ganze Welt und durch alle Zeiten hin ausbreiten. So soll sich das Ziel des Willens Gottes erfüllen, der das Menschengeschlecht am Anfang als eines gegründet und beschlossen hat, seine Kinder aus der Zerstreuung wieder zur Einheit zu versammeln (vgl. Joh 11,52)
(Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium Nr.13)

(c) Wilfried Schumacher

Freitag nach dem 5.Fastensonntag

Tageslesungen
Jer 20,10–13 | Joh 10,31–42

Ich hörte doch das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, daß ich stürze: Vielleicht läßt er sich betören, daß wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held
. (Jer 20,10-11)

Jeremias Bekenntnisse verweisen uns an die Schwäche des menschgewordenen Wortes, an die Schwäche von Betlehem und von Golgota. Ein Hinweis, der uns nie ganz befriedigt, und immer lauert die Versuchung, um uns herauszufordern: Warum vernichtet der Herr die Feinde nicht, warum gibt er seiner Kirche nicht die Macht, den Ruhm, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Eignung zum Erfolg in den Massenmedien? Warum müssen wir mit Schwierigkeiten aller Art ringen? Jesus antwortet: Weil ich den Vater so und nicht anders offenbart habe.
(Carlo M. Martini)

Ja, ich bin endlich und schwach, in meinem Glauben auch angefeindet und bedroht, mein Leben läuft auf den Tod zu. Ich kann darauf schauen, es aushalten und annehmen und erleben, wie Gott mir beisteht.

Alle Fluchtwege vor dem Leiden führen nur zu neuen Leiden, zu Ersatzleiden.(Anselm Grün)

(c) Wilfried Schumacher