Dreifaltigkeit – Gott hält es mit uns

Tageslesungen
Spr 8,22-31 | Röm 5,1-5 | Joh 16,12-15

 „Wie hältst du’s mit der Religion?“ die berühmte Gretchenfrage in Goethes Faust. Wie halten wir es mit der Religion? Wie halten wir es in unserem persönlichen Leben und in unseren Familien, in unseren Gesprächen und in unseren täglichen Aufgaben mit der Religion?
In jedem Menschen steckt zutiefst das Bedürfnis und die Sehnsucht nach dem Ewigen, dem Verlässlichen, dem Transzendenten. Immer häufiger suchen sie nach einer Erfüllung außerhalb der Kirchen.
Ich fand für diese Situation ein schönes Bild: Es ist wie mit einer großen, alten Glocke, die nicht zu läuten aufhört. Aber je nach Lage der Witterung, nach der Windrichtung und je nach Lautstärke von anderen Tönen und Geräuschen ist ihr Klang einmal stärker und einmal schwächer und manchmal auch gar nicht hörbar.
Der alte Glockenton, der von Gott kündet, lässt heute gar nicht so wenige Menschen aufhorchen, und manche Herzen beginnen in seinem Klang zu vibrieren.

Überall gibt es sie: Menschen, welche die Berührung mit dem unsichtbaren Geheimnis suchen.

  • Sie gehen still in Kirchen und ersehnen einen Augenblick innerer Ruhe.
  • Sie gehen auf alten Pilgerwegen – etwa nach Santiago – und spüren dabei den Pfaden ihres Seelenlebens nach.
  • Sie suchen nach geistlichen Ratgebern und hoffen auf Wegführer zu treffen, die sie über ihren Alltag hinaus führen.

Viele Menschen empfinden im Vielerlei ihres Lebens einen ”Verlust von Einheit und Identität” und sind auf der ”Suche nach Halt und Mitte”.

Dabei halten sie sich die Menschen nicht an vorgegebene Muster – Sie entwerfen ihr Leben selbst. Dazu gehört nicht selten auch eine ”Patchwork-Religion“ aus ganz unterschiedlichen Elementen wie bei einem Flickenteppich zusammengefügt werden. Der religiöse Glaube, in welcher Weise auch immer, wird als eine ausschließlich private Angelegenheit betrachtet, und lässt sich nicht so einfach in kirchliche Strukturen einpassen.

Die Menschen leben heute in einer „Wüste der Möglichkeiten“ (Gertrud von Le Fort). Vieles zerrinnt ihnen zwischen den Fingern wie Treibsand. Wo sind die Oasen, wo sich ausruhen lässt? Wo sind die Orte, wo es eindeutig wird?

Auf welchen Gott treffen solche suchenden Menschen bei uns, welchen Gott haben wir ihnen zu verkündigen, welchen Gott bezeugen wir ihnen in unserem christlichen Leben?

Das heutige Fest sagt, dass für uns Gott nicht ein nebulöses Etwas ist, ein höheres Wesen nach dem Motto: „Irgendetwas wird es schon geben.“ Wir dürfen Gott als eine Wirklichkeit sehen, die ansprechbar ist und die selber zu uns spricht, als einen Gott, zu dem wir kommen können und der selber zu uns kommt. Es handelt sich um ein „Du“ und nicht um ein unpersönliches „Es“.

Die biblische und christliche Tradition unterstützt diese Überzeugung, indem sie von Gott nicht bloß in abstrakten Bildern spricht, sondern indem sie sich ihn auf manchmal höchst menschliche Weise vorgestellt hat: mit einem Gesicht, mit Augen und Ohren, mit einem Herzen und einer Stimme, sogar mit Emotionen, manchmal sicherlich auch mit etwas abstrusen Bildern wie dem alten Mann mit dem Bart – wie auf manchem Altarbild.

Solche Vorstellungen können die Wirklichkeit Gottes nie zur Gänze ausdrücken, aber ein Gott, der uns nahe sein will, bedarf solcher Bilder, damit wir diese Nähe, seine Gegenwart und Gemeinschaft mit uns erahnen können, mehr noch, dass sie begreiflich, handgreiflich wird.

Diese Gottesvorstellung leuchtet auf im Geheimnis der Dreifaltigkeit und in jedem Kreuzzeichen „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ wird sie uns förmlich auf den Leib geschrieben.

Gott ist als Vater der „Gott über uns“. Wir erkennen in ihm den Schöpfer von Welt und Menschen. Er ist ewig und unendlich nicht zuletzt in seiner Liebe.

Und Gott ist im Sohn der „Gott vor uns und neben uns“. Wir dürfen in ihm unseren Erlöser sehen, der uns vorangeht und zugleich mit uns geht. In ihm hat sich Gott tatsächlich ein menschliches Gesicht und eine menschliche Stimme gegeben.

Und Gott ist schließlich als Heiliger Geist der „Gott in uns“, der von innen her in uns wirkt und das Werk unserer Heiligung vollzieht, das heißt: uns mit göttlichem Leben und göttlicher Kraft und göttlicher Liebe erfüllt.

Dieser dreifaltige Gott ist „das Leben unseres Lebens“!

„Wie hältst du’s mit der Religion, wie hältst du’s mit Gott?“ – Als Christen können wir sagen: Gott hält es mit uns.
Das ist die Glocke, die wir in Schwingung halten müssen. Damit die, die auf der Suche sind, sie hören – und zu denen gehören auch wir.

(c) Wilfried Schumacher

Drei Wünsche an einen Neupriester

Pfingsten 2019
Kirche St.Sebastian Bickenriede/Eichsfeld


Lieber Guido, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Mit großer Feierlichkeit haben Sie gestern Abend und heute Guido Funke in seiner Heimatgemeinde willkommen geheißen und man könnte schon fast befürchten, sie wollten ihn damit auf ein hochwürdiges Podest stellen. Aber die Zeit für hochwürdige Podeste ist auch im Eichsfeld vorbei.

Sie feiern heute, dass einer von Ihnen ernst macht mit dem, was allen Christen aufgetragen ist, wozu wir alle berufen sind. Sie würdigen seine Entscheidung, die gefallen ist in einem langen Prozess der Berufung.
Und vielleicht denkt manch eine und einer von Ihnen, was der Guido da erlebt hat, das kenne ich auch – als mich entschieden habe, meinen Beruf zu ergreifen, als ich mich entschieden habe, meine Frau, meinen Mann zu heiraten, als ich eine lebenswichtige Entscheidung getroffen habe. Das geht meistens nicht von jetzt auf gleich.

Lieber Guido. Als ich vor über einem Jahr aus Anlass deiner Diakonenweihe hier in der Kirche saß und wusste, dass ich hier auch die Primizpredigt halten sollte, war mir klar: ich lasse diese Kirche predigen, in der Du groß geworden bist.
Sie ist dem Hl. Sebastian geweiht. Dessen Schicksal wünschen wir Dir nicht. Gerne möchte ich meine Wünsche an Dich an drei Heiligen orientieren, die in diesem Raum dargestellt sind:

  • Der Heilige Petrus hier vorne im Pfingstbild auf dem Ambo
  • Die Heilige Gertrud rechts am Altar
  • und den Heiligen Bernhard links am Altar.

Wahrscheinlich hat Du sie oft angeschaut, wenn Du hier am Gottesdienst teilgenommen hast.

1)       Petrus

Wir sehen hier vorne auf dem Ambo den Hl. Petrus bei seiner flammenden Predigt am Pfingstfest. Aber es gibt noch eine andere Stunde im Leben des Petrus, die verbunden ist mit deinem Weihespruch „Dein Wille geschehe!“

Es ist der Abend von Getsemani. Dort erlebt Petrus einen Jesus, den er so noch nie gesehen hat: weinend, kämpfend, ringend, Blut und Wasser schwitzend. Einen Menschen voller Angst und schließlich voller Gehorsam. „Dein Wille geschehe!“

Es soll noch schlimmer kommen: Judas, der Gefährte in den die Wanderjahren durch Israel, kommt mit Soldaten, die Jesus verhaften. Und der lässt sich verhaften! Das ist nicht mehr der Jesus, den Petrus bisher erlebt hat: Bisher hat er es doch immer geschafft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. An wie viele brenzlige Situationen kann sich Petrus erinnern. Wo ist dieser machtvolle Jesus? Wo ist dieser Jesus, den er als den Christus, den Messias feierlich bekannt hatte? Ist das dieser Mann – schwach, gefesselt zwischen den Soldaten und Gerichtsdienern. Nein! Für diesen Menschen hat er nicht alles verlassen – den Beruf, die Familie, die Heimat. In Petrus bricht alles zusammen. Sollte er sich so getäuscht haben? „Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir irre werden;“ so hatte Jesus es beim Abendmahl angekündigt. Petrus erlebt es – mit seiner ganzen Existenz.

Ich wünsche Dir, lieber Guido, dass Du dies nie erleben musst!

Zwischen Getsemani und Pfingsten steht die Begegnung des Petrus mit dem Auferstandenen am See Genezareth. „Simon. Liebst du mich?“ fragt der Herr seinen Jünger. Er fragt nicht, hast Du alles begriffen, was ich gepredigt habe. Hast Du mein Leben, meine Sendung verstanden? Weißt Du jetzt was es heißt, den Willen des Vaters zu tun?

„Liebst du mich“, fragt ihn der Herr und im griechischen Text steht eine Vokabel, die von der ganz großen Liebe spricht, die einzigartig ist und nur dem einen, der einen gilt. Wenn wir das wissen, dann spüren wir plötzlich, wie schwer die Frage und erst recht wie schwer die Antwort ist.

Und wieder in den griechischen Text geschaut, lautet die Antwort des Petrus: „Herr, Du weißt, dass ich Dein Freund bin“. So kannst Du, lieber Guido, so können wir alle antworten: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dein Freund sein will“. Du suchst Menschen, die so, wie sie sind, für dich brennen. Sieh nicht den Petrus in mir, sieh nicht den Kaplan Funke in mir, sondern den Simon, den Guido, den Du wie damals den Simon am See gerufen hast mit seinen Licht- und Schattenseiten.

Lieber Guido, sag es dem Herrn immer wieder: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dein Freund sein will“.

2)       Die hl. Gertrud von Helfta

Als Rheinländer steht mir die Hl. Gertrud von Nivelles aus dem nahen Belgien etwas näher und ich musste mich erst mit dieser großen Frau aus dem 13.Jahrhundert etwas näher beschäftigen. Sie wird „die Große“ genannt. Mit fünf Jahren kam sie, wohl ein Waisenkind, ins Kloster Helfta bei Eisleben, das zisterziensisch geprägt war, ohne dem Zisterzienserorden anzugehören.

Ihre theologischen Schriften sind sehr mühsam zu lesen, weil ihre Sprache nicht mehr unsere Sprache ist und ihre Bilder sich uns heute nicht sofort erschließen.

In einem ihrer Werke fand ich ein Wort, das ich Dir gerne mitgeben möchte: „Gott habe Erbarmen mit mir, und er sage mir Segen und Heil; […..] auf daß mich auf rechten festen Boden führe sein lebenspendender Geisthauch, der gut ist.“ (aus Exercitium I 7-12).

Heute ist Pfingsten, wir feiern Gottes lebensspenden Geist, der gut ist – wie die hl. Gertrud mit Recht feststellt. Neben dem Ungeist, den wir oft erleben, neben dem bösen Geist, der sich in Wort und Taten der Menschen nicht selten äußert, ist Gottes Geist der gute Geist, dessen Früchte im Galaterbrief beschrieben werden: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ (Gal 5, 22)

Von daher verwundert es, wenn es von der Hl. Gertrud heißt: „Stundenlang war sie den Menschen ihrer Umgebung Zuhörerin, Ratgeberin, Trösterin. Gleichzeitig war sie eine hochgebildete und künstlerisch begabte Frau.“

Lieber Guido, Zuhören, Ratgeben, Trösten – ich weiß, dass Du das kannst. Ich wünsche Dir die Kraft dazu. Besonders das Letzte ist wichtig: „wir sind berufen, zu trösten“ sagt Papst Franziskus (5.5.2016)

3. Der Heilige Bernhard

Er lebte zu Beginn des 12.Jahrhunderts. 1115 gründete er das Kloster in Clairvaux und von dort aus 68 Klöster. Fünf Ordensgründungen des Zisterzienserordens gab es im Eichsfeld. Darunter die Abtei Reifenstein, die schon 1162 entstand. Und natürlich in unmittelbarer Nachbarschaft die Zisterzienserinnenabtei Anrode, die auf das 1267 zurückgeht. Der Bickenrieder Vitus Recke war im letzten Jahrhundert Abt der Abtei Himmerod, die von Bernhard von Clairvaux gegründet wurde.

Also darf Dich der Hl. Bernhard an diesem Festtag auch begleiten. Du ahnst vielleicht schon, welches Wort von ihm ich Dir mitgeben möchte: „Gönne Dich Dir selbst“. Er schrieb es seinem Schüler Papst Eugen III. Aber es gilt für jeden von uns, ob Kleriker oder Laie. „Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. […] Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selber! […] Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.

Das sage ich nicht nur Dir, lieber Guido, das sage ich den Ehefrauen und Ehemännern, den Müttern und Vätern, den Großväter und Großmüttern. Das gilt jedem und jeder: Gönne Dich Dir selbst!

Ich habe als junger Priester den Fehler gemacht, ganz in der Arbeit aufzugehen. Es gibt so viel zu tun und man freut sich, endlich fertig zu sein und tun zu können, was man immer schon tun wollte. Und schnell vergisst man sich selbst, die Familie, die Freunde, Menschen, die einem wichtig sind! Widerstehe der Versuchung und „gönne Dich Dir selbst!“

Lieber Guido, das sind meine Wünsche an diesem Festtag an Dich – orientiert an den Heiligen deiner Heimatkirche. Nimm sie mit als Gefährtin und Gefährten auf Deinem Weg.

Primizpredigt 9.Juni 2919 – Primiz nennt man die erste Messe, die ein neugeweihter Priester mit seiner Heimatgemeinde feiert.

(c) Wilfried Schumacher

Christi Himmelfahrt – Geht bis an die Grenzen der Erde!

Tageslesungen
Apg 1, 1-1 | Eph 1, 17-23 | Lk 24,46 – 53

Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Ihr Männer und Frauen heute, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor.

Wer nur zum Himmel schaut, verliert den Kontakt zur Erde und muss sich nicht wundern, wenn er strauchelt und fällt. Wer nur zum Himmel emporschaut an diesem Tag, versteht nicht, um was es geht.

Es sind die Engel und der Herr selbst, die unseren Blick wieder auf die Erde lenken.

Ein Dreifaches wird uns heute mitgegeben:

  1. Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

„Ich bin bei Dir“ – wenn ich dieses Wort von einem Menschen höre, dann gibt es mir Kraft. Ich bin bei Dir – wenn das ein Mensch zu einem anderen sagt, dann fühlt der Adressat sich nicht mehr allein, auch wenn er allein ist. Dann weiß er, auch wenn ich diese Situation allein bestehen muss – es ist jemand in Gedanken, es ist jemand mit dem Herzen bei mir.

Ich bin bei Dir, sagt die Mutter dem Kind, wenn es zur Schule geht, um sich einer Prüfung zu stellen.
Ich bin bei Dir, sagt der Partner zur Partnerin, wenn sie zu einer wichtigen Untersuchung geht.
Ich bin bei dir, sagt der Freund zum Freund, wenn er weiß, dass er sich einer besonderen Herausforderung stellen muss.

Das gehört zu unseren Erfahrungen. Wir wissen alle, wie gut ein solches Wort tut! Hier aber sagt das nicht irgendein Mensch, auch nicht der Liebste unter den Menschen, den wir haben. Hier sagt das der auferstandene Herr, der auf eine ganze andere Weise gegenwärtig ist wie das bei Menschen der Fall ist. Es ist das letzte Wort des Matthäus-Evangeliums – es ist der Schlussakkord, der nie verhallt bis ans Ende der Welt.
Aber wir müssen gestehen, oft mangelt es uns an Glauben, dass dieses Wort des Herrn gilt. Oft sind wir zu kleingläubig als dass wir darauf vertrauen.
Ich bin bei Dir – wie gut tut es, wenn es ein Mensch uns sagt. Ich bin bei Euch – wie gut tut es, wenn der Herr es uns sagt!

  •  Verheißung: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.

Es bleibt nicht bei der Zusage. Der Herr weiß um unsere Defizite und Unfähigkeiten. Deshalb sollen wir Kraft erhalten. Die Kraft des Heiligen Geistes. Aber es geht nicht nur darum, unsere Kraftlosigkeit zu heilen, unsere Defizite auszugleichen und uns Kompetenz zu geben.

Das deutsche Wort „Kraft“ ist mir fast schon zu kraftlos, das griechische Wort „Dynamis“, Dynamik ist ausdrucksvoller. Der Heilige Geist soll Dynamik in unser Leben bringen, Bewegung, Schwung, Aufschwung.

Die Verheißung Jesu hat sich für die meisten von uns erfüllt: Wir sind gefirmt; wir haben die Dynamik des Geistes empfangen. Aber was haben wir daraus gemacht?

Ein Pfarrer in hat einmal seine Firmlinge gefragt: „Was würde dir fehlen, wenn Du dich nicht firmen lassen würdest?“ Ich frage mich und Sie können es ebenso tun: „Was würde mir fehlen, wenn ich nicht gefirmt wäre?“

Vertraue ich auf die Dynamik des Gottes Geistes in meinem Leben; oder folge ich lieber dem Geist einer Partei, der öffentlichen Meinung, dem Geist des Erfolgs und was es sonst noch für Geister gibt.

Wer auf den Geist Gottes vertraut, muss wissen, dass er nicht daher-kommt wie ein laues Lüftchen, sondern wie ein gewaltiger Sturm.

Der hl. Johannes XXIII. hat wohl wissend darum, die Fenster der Kirche geöffnet. Verbarrikadieren wir nicht unser Lebenshaus wenn es gilt der Dynamik des Geistes Jesus Einlass zu gewähren.

  • Auftrag: Ihr werdet meine Zeugen sein…..bis an die Grenzen der Erde!

Der Auftrag, den der Herr seinen Jüngern und auch uns mitgibt, ist nur eine Konsequenz dieses Geistes, der uns nicht ruhig sitzen lässt, sondern uns in Bewegung bringt.

Geht bis an die Grenzen der Erde – das heißt nicht: brecht jetzt auf nach Asien oder Afrika, und weil das eh nicht in Frage kommt, lasst es ganz bleiben.

Geht bis an die Grenzen der Erde – bleibt mit Eurem Glauben und Eurer religiösen Überzeugung nicht im Dunstkreis des euch Bekannten und Vertrauten. »Geht«, kommt aus euch selbst heraus, aus jeglicher Verschlossenheit, um allen das Licht und die Liebe des Evangeliums zu bringen, bis in die äußersten Randgebiete des Lebens!

Papst Franziskus sagt. „Wenn wir Christen uns in unserer Gruppe einschließen, in unserer Bewegung, in unserer Pfarrei, in unserem Umfeld, bleiben wir eingeschlossen und dann geschieht mit uns, was mit allem passiert, das eingeschlossen ist. Wenn ein Zimmer geschlossen bleibt, kommt der Geruch der Feuchtigkeit. Und wenn ein Mensch in diesem Zimmer ist, wird er krank! Wenn ein Christ sich in seiner Gruppe, in seiner Pfarrei, in seiner Bewegung einschließt, ist er eingeschlossen und wird krank. Wenn ein Christ auf die Straßen hinausgeht, an die Peripherien, kann mit ihm das geschehen, was manchem passiert, der auf der Straße unterwegs ist: ein Unfall. Sehr oft haben wir Straßenunfälle gesehen. Aber ich sage euch: Mir ist eine verunfallte Kirche tausendmal lieber und nicht eine kranke Kirche!“

„Geh und bring den Menschen das Licht des Evangeliums?“ –
Was heißt das für Dich?

Die Botschaft des Herrn ist an alle gerichtet und meint doch jeden Einzelnen, jede Einzelne.

Ihr Männer und Frauen von heute, was steht Ihr da und schaut zum Himmel empor? –

Bleiben wir auf der Erde – getragen von der Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt – versehen mit der Verheißung der Dynamik des Geistes und erfüllt von dem Auftrag: Geht zu allen Völkern.

(c) Wilfried Schumacher

6.Ostersonntag – Gott als Mieter?

Tageslesungen
Apg 15,1-2.22-29 | Offb 21,10-14.22-23 | Joh 14,23-29

Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. (Joh 14,23)


Gott als unser Mieter, Untermieter? Wie mag man sich das vorstellen?

Walter Jens dreht in seiner Bibelübersetzung den Spieß um. Da lesen wir: „Nur wer mich liebt“, antwortete Jesus, „wird meine Worte bewahren – die Worte! Ihren Sinn! Ihren Geist! -, und mein Vater wird ihn lieben, und wir, ihr und ich, werden unsere Heimat finden, bei ihm.“

Heimat finden, Heimat haben bei Gott! – das ist schon eher ein Bild, mit dem ich etwas anfangen kann.

Heimat ist etwas, dass nie verloren geht; selbst dann, wenn man in der Fremde lebt. In der Heimat fühlt man sich zugehörig und geborgen. Heimat kann Orientierung geben und wie ein sicherer Anker in der schnelllebigen Welt sein. Selbst der Heimatlose weiß um die Heimat und ihre Qualität.

Das Leben kann uns oft durchschütteln. Es kann sein, dass wir innerlich heimatlos werden – das Gefühl haben, nirgendwo mehr zuhause zu sein, von allem und jedem verlassen. Christus lädt uns im heutigen Evangelium ein, die Heimat zu finden bei Gott – nicht in einer Theorie, einer Idee – sondern ganz praktisch, indem wir Jesu Worte bewahren, Ihren Sinn, Ihren Geist und so feststellen, selbst wenn ich das Gefühl habe, hier heimatlos zu sein, es bleibt die Heimat bei Gott.

(c) Wilfried Schumacher

5.Sonntag in der Osterzeit – Jeden Tag soviel wie ich benötige

Tageslesungen
Apg 14,21b-27 | Offb 21, 1-5a | Joh 13,31-33a. 34 – 35

Diese Woche war ich in Osnabrück und zum ersten Mal im Dom. In der Sakramentskapelle sah ich ein Relief mit einem Detail, das mich wegen der Geschichte immer wieder fasziniert. Die Geschichte vom Manna in der Wüste. Sie steht im Buch Exodus im 16.Kapitel.

Manna in der Wüste – Relief Dom Osnabrück

Damit wir nicht einfach drüber lesen, hier in der etwas ungewohnten Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig:

ER sprach zu Mosche: da, ich lasse Euch Brot vom Himmel regnen, ausziehen soll das Volk und lesen: die Tagesmenge an ihrem Tag, […] Aber am sechsten Tag soll es sein: wenn sie vorrichten, was sie einbringen, wird es ein Doppeltes sein gegen das, was tagtäglich sie lesen. […]

Aber am Morgen war eine Schicht Taus rings um das Lager, und als die Tauschschicht aufstieg, da war auf der Fläche der Wüste etwas Feines, Schuppiges, fein wie der Reif auf der Erde. Die Söhne Israels sahens und sprachen einer zum anderen: „Man hu“ – was ist das? Denn sie wussten nicht was es war. Mosche sprach zu ihnen: Das ist das Brot, das ER Euch zum Essen gegeben hat. Dies ists, was ER geboten hat: leset davon, jeder nach seinem es Bedarf, eine Metze (Anm. altes Hohlmaß etwa 1 – 2 Liter) auf den Kopf, nach der Zahl Eurer Seelen, hole jeder für die in seinem Zelt.

Die Söhne Israels taten so, sie lasen, der viel und der wenig, aber als sies mit der Metze Maßen, überschoß dem nichts, der viel las, und der wenig las, dem mangelte nichts, jeder nach seinem es Bedarf hatten sie gelesen.

Mosche sprach zu ihnen: „nimmer lasse jemand davon auf den Morgen übrig. Aber sie hörten nicht auf Mosche, sondern etliche ließen davon auf den Morgen übrig: es würmte Maden hervor und stank.[…]

Sie lasen es Morgen um Morgen, jedermann nach seinem Eßbedarf. (…) Doch am sechsten Tag geschah es, dass sie Brots ein Doppeltes lasen, zwei Metzen für einen. […] Die Söhne Israels aßen das Man 40 Tage, bis sie an besiedeltes Land kamen. (aus Exodus 16)

Gott speist das Volk in der Wüste – aber jeden Tag gibt es nur so viel, wie man zum Leben und Überleben braucht. Wer meinte, er könne die Speise vom Himmel („Man hu“ – heißt übersetzt: Was ist das?) horten, könne einen Vorrat anlegen, musste erleben, dass am Folgetag Würmer das Essen ungenießbar gemacht hatten.

Nur am sechsten Tag, dem Tag vor dem Shabbat, gab es die doppelte Menge, weil man am Shabbat nicht arbeiten, d.h. auflesen durfte.

Um was geht es? Um das Wunder in der Wüste? Letztlich geht es im Text um das Gottvertrauen. Ich muss keine Vorsorge treffen – Gott selbst wird das Überleben sicher stellen. Er wird mir soviel geben, wie ich brauche, um zu überleben. Ich gebe zu, das fordert mich heraus. Es fragt mich nicht nach einer vernünftigen Vorratshaltung, um etwa Lebensmittelengpässe zu überstehen.

Vielmehr geht es um die Frage: was brauche ich zum Leben? Und dazu zählt nicht nur der Einkauf im Supermarkt. Was horte ich alles in den Vorratskammern meines Lebens? Ist es das, was meiner Seele gut tut? Oder hat es eher einen üblen Geschmack, zerfressen von den Würmern der Eifersucht, des Neides, des Stolzes, der Überheblichkeit, des Profits – oder wie die die „Tiere“ sonst noch heißen?

Die Geschichte bewahrt mich auch davor, kein Ende zu finden in meinen Bemühungen. Auch der, der viel sammelte, hatte am Ende nicht mehr als der andere. Ich gestehe gerne, ich fand auch oft kein Ende bei der Arbeit – weil alles noch getan werden musste. Anderes und vor allem andere blieben auf der Strecke!

Und schließlich erzählt die Geschichte vom Werktag und vom Sonntag. Am sechsten Tag gab es so viel, dass der Sonntag geheiligt werden konnte. In diesem alten Text ist schon die Rede von einem sinnvollen Wechsel aus Arbeit und Muße, aus Arbeitstag und Feiertag.

An jedem Tag soviel wie ich zum Leben benötige – nicht nur aus der Hand Gottes, sondern auch in meiner Lebenshaltung! Die Vaterunser-Bitte „unser tägliches Brot gib uns heute!“ erinnert uns jeden Tag daran.

(c) Wilfried Schumacher

4.Ostersonntag – der Mantel des Hirten, der Hirtin

Tageslesungen
Apg 13,14.43b-52 | Offb 7,9.14b-17 | Joh 10,27-30

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.  Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. (Joh 10,27-28)

Heute ist der Sonntag des „Guten Hirten“. Lange Zeit hat man aus dem lateinischen Wort für Hirt „Pastor“ die Hirtensorge allein den Priestern zugesprochen. Und deshalb an diesem Sonntag für den Priesternachwuchs gebetet. Das ist notwendig und trotzdem etwas zu kurzgedacht.

Bei Antoine d. Saint Exupery fand ich ein Gebet, das in eine andere Richtung weist, einen weiteren Horizont eröffnet. Es greift das Bild vom weiten Mantel auf, den ein Hirt trägt, nicht nur weil er sich damit wärmen, sondern hin und wieder auch das verletzte Schaf bergen kann. So betet Antoine d. Saint Exupery:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

Wer so betet, der oder die folgt dem Guten Hirten Jesus, indem er oder sie selbst zum Hirten, zur Hirtin wird.
Wer so betet, lässt den anderen nicht allein, sondern gibt ihm zu verstehen:
* Es ist gut, dass Du da bist – so wie Du bist
* Ich bin mit Dir, was auch geschieht

Bitten wir also nicht nur um Menschen für den kirchlichen Dienst, beten wir, dass es Menschen gibt, die uns bergen, und dass auch wir zu solchen Hirten werden:
Herr, leih mir ein Stück von deinem Mantel,
damit ich die Menschen mit der Last ihrer Sehnsucht darunter berge.

(c) Wilfried Schumacher

„Wort zum Tag“ geht weiter

nicht jeden Tag. Aber immer mal wieder werde ich mich in diesem Blog zu Wort melden – mit einem Text zur Liturgie des Tages, meistens an Sonn- und Feiertagen. Ich habe mich dazu entschlossen, um auch jene zu erreichen, die vielleicht nicht zum Gottesdienst an diesem Tag kommen können oder wollen, oder jene, die noch eine andere Perspektive gerne lesen oder hören.
Für mich sehr wichtig: es soll keine einseitige Kommunikation sein! Anders als in der Kirche, können Sie hier einen Kommentar abgeben, sich kritisch äußern, etwas ergänzen, sagen, was Sie bewegt. Ich freue mich darauf, mit Ihnen hierüber ins Gespräch zu kommen – nutzen Sie bitte dazu die Kommentarfunktion.

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Johannes, der Täufer auf dem Isenheim-Altar wird uns dabei weiter als „Titelbild“ begleiten, sein Wort im Hinblick auf Jesus „Illum opportet crescere – me autem minui. Jedner muss wachsen, auch aber geringer werden“ bleibt weiter das Motto..

Dienstag nach Ostern

48 Impulse haben Sie durch die Fastenzeit, an den Kartagen und an Ostern begleitet. Gerne habe ich Sie Ihnen zur Verfügung gestellt. Heute habe ich eine Bitte:

Meine große Leidenschaft gilt der Hilfe für Kinder und Jugendliche im Heiligen Land, in Bethlehem und Jerusalem. Bitte helfen Sie mir dabei, den Kindern eine Zukunft zu geben. Die Webseite informiert Sie ausführlich und nennt Ihnen auch die Spendenkonten: www.bonn-hilft-bethlehem.de

Auf der Webseite finden Sie auch die Spendenkonten.

„Wort zum Tag“ macht jetzt Pause! Wenn Sie mir übers Jahr folgen wollen, dann gehen Sie auf meinen Blog: blog.wilfried-schumacher.de – „Geistliches, was auffällt, einfällt, zufällt“.

(c) Wilfried Schumacher