Samstag nach dem 5.Fastensonntag

Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
1 Petr 2,24


Die „Dynamik der Sünde“ hat in dieser Woche unsere Gedanken bestimmt. „Bitten wir den Herrn darum, dass er uns die Freiheit des Geistes und des Herzens verleihe, durch die wir zu Frieden, Demut und Freude gelangen. Dass er uns auch etwas Humor schenke, um über den Prozess nachzudenken, der sich in unserer Seele abspielt und nach und nach bei den verschiedenen Gelegenheiten unser ganzes alltägliches Leben durchdringt. Das möge uns dazu führen, die begangenen Sünden zu beweinen und uns gänzlich vor dem strahlenden Antlitz Gottes und Christi zu läutern“ (Carlo Martini).

Eine etwas ungewohnte Präsentation – nicht in Konzert-, sondern in Alltagskleidern – so alltäglich wie die Sünde und wie Gottes Barmherzigkeit

O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unsrer Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.

Morgen ist Palmsonntag: Lukas19 – trifft sich um 10 Uhr zum Video-Gottesdienst mit Palmweihe – mehr dazu HIER!

(c) Wilfried Schumacher

Freitag nach dem 5.Fastensonntag

Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester und die Schriftgelehrten und sagten untereinander: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Der Christus, der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben.
Mk 15,31-32

Jetzt wollen sie glauben! Dahin hat sie die „Dynamik der Sünde“ geführt. Was ihnen am Anfang nicht möglich war, Gott etwas zuzutrauen; jetzt soll es geschehen. Es ist schon Paradox: jetzt wo er dort ist, wohin sie haben wollten, gewähren sie ihm den Titel „Christus“. Hier offenbart sich die ganze Verlogenheit ihres Tuns.
Es bleibt einem Heiden, dem römischen Hauptmann vorbehalten, an diesem Ort ein Glaubensbekenntnis zu sprechen: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“ (Mk 15, 39)

Jesus hat die Geschichte geändert, indem er zu uns gekommen ist, und hat sie, wenngleich sie immer noch unter dem Eindruck des Bösen steht, zur Heilsgeschichte gemacht. Indem er am Kreuz sein Leben hingegeben hat, hat Jesus auch den Tod besiegt. […] Wir können unsere Geschichten ändern, indem wir uns ihm nähern und das Heil annehmen, das er uns anbietet.
Papst Franziskus

(c) Wilfried Schumacher

Donnerstag nach dem 5.Fastensonntag – Fest der Verkündigung des Herrn

Es war zwei Tage vor dem Pascha und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten.
Mk 14,1


Die Entscheidung ist gefallen. Das Böse hat sich der Schriftgelehrten endgültig bemächtigt. Was in Kafarnaum bei der Heilung des Gelähmten begonnen und sich in vielen Begegnungen fortgesetzt hat, wird jetzt in die Tat umgesetzt: Jesus muss sterben.

Papst Franziskus sagt: „Es gibt ein Böses in unserem Leben, das eine unbestreitbare Gegenwart ist. Die Geschichtsbücher sind das trostlose Verzeichnis davon, wie sehr unsere Existenz in dieser Welt ein Abenteuer gewesen ist, das oft zum Scheitern verurteilt war. Es gibt ein mysteriöses Böses, das gewiss nicht das Werk Gottes ist, sondern das sich heimlich in die Geschichte einschleicht: geräuschlos wie die Schlange, die still das Gift mit sich bringt. Manchmal scheint es die Oberhand zu gewinnen: An gewissen Tagen scheint seine Gegenwart sogar deutlicher zu sein als die der Barmherzigkeit Gottes.“


Zum heutigen Festtag: Himmel und Erde haben sich berührt. – Video aus dem Jahre 2017

(c) Misereor-Material

Mittwoch nach dem 5.Fastensonntag

Die Hohepriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil das Volk außer sich war vor Staunen über seine Lehre.
Mk 11,18

Sie fürchten ihn“ – die Angst hat die Schriftgelehrten jetzt selbst erreicht. Sie fürchten ihre Macht und ihren Einfluß über die Menschen zu verlieren. Die Dynamik der Sünde führt sie dazu, nach einer Möglichkeit zu suchen, ihn umzubringen.

Angst verhindert Vertrauen,
aus Angst werde ich selbstsüchtig, weil ich fürchte zu kurz zu kommen,
aus Angst werde ich neidisch, weil ich fürchte zu kurz zu kommen,
aus Angst werde ich habgierig, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen,
aus Angst neige ich zur Völlerei, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen.
Aus Angst werde ich wolllüstig, weil ich Angst habe zu kurz zu kommen.
Machen Sie mal den Selbsttest, hinterfragen Sie mal alle möglichen Sünden. Am Ende können Sie sie alle auf diesen einen Satz reduzieren. Angst, zu kurz zu kommen, Angst nicht geliebt zu werden, Angst von Gott, der die Liebe ist, getrennt zu sein.
Wolfgang Severin

(c) Wilfried Schumacher

Dienstag nach dem 5.Fastensonntag

Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Mk 3,22


„Er ist besessen!“ – das macht Angst; die Dynamik der Sünde nimmt Fahrt auf. „Der Vorwurf der Besessenheit ist ein Fundamentalangriff auf die Sendung Jesu“ (Martin Ebner). Angst zu schüren, unterstützt die Gegner Jesu in ihrer Absicht. Er ist………/ sie ist……… – wer kennt sie nicht die schlechten Attribute, die wir manchmal dem/der Anderen zuschreiben?

Wie wichtig ist es, das Herz zur Fürsorge, zur Wertschätzung von Menschen und Dingen zu erziehen.
Papst Franziskus

(c) Wilfried Schumacher

Montag nach dem 5.Fastensonntag

Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten in ihrem Herzen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
Mk 2,6-7


In dem Wort von dem „einen Gott“ verbirgt sich das zentrale Glaubensbekenntnis des Judentums. „Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig“.(Dtn 6,4) Was die Schriftgelehrten erleben, das kann nicht sein, das darf nicht sein. Glaubenssatz und Wirklichkeit stimmen nicht überein. Was trauen sie Gott zu in dieser Situation?

Glauben heißt,
die Unbegreiflichkeit Gottes
ein Leben lang auszuhalten.

Karl Rahner

(c) Wilfried Schumacher

Über die nächste, die 5.Woche der Fastenzeit

In 14 Tagen feiern wir Ostern! Der Weg durch die Fastenzeit, die „österliche Bußzeit“ mündet in die letzte, in die tod-ernste Etappe. „wortzumtag“ möchte in den nächsten Tagen über die Sünde sprechen, nicht weil die Kirche so gerne über die Sünde spricht, sondern weil vor dem Hintergrund der Sünde Gottes Erbarmen überdeutlich sichbar wird.

Von Papst Franziskus stammt das Wort: “ „Es gibt Sünden, die man sieht, und Sünden, die man nicht sieht. Es gibt eklatante Sünden, die Aufsehen erregen, aber es gibt auch heimliche Sünden, die sich im Herzen einnisten, ohne dass wir es überhaupt merken.“
Es ist die „Dynamik der Sünde„, die wir am Beispiel der Schriftgelehrten im Markus-Evangelium darstellen wollen. Diese Dynamik führt zur Vernichtung des Jesus von Nazareth. Und es gilt: diese Dynamik auch im eigenen Verhalten zu erkennen und zu durchbrechen, damit wir erblühen, lebendiger werden.
Stimmen Sie sich ein auf diesen geistlichen Weg mit der Musik von Johann Sebastian Bach.

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5.Fastensonntag

Du stelltest meine Füße in weiten Raum.
Psalm 31,9



Die Sonntage der Fastenzeit sind als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausgenommen. Heute darf ich „ausruhen“ auf unserem Weg zum Osterfest. Ich kann noch einmal zurückschauen auf „meine“ Woche mit dem MISREREOR-Fastentuch.

Das „Motto-Lied“ zur MISEREOR-Aktion – Text: Helmut Schlegel; Musik:Joachim Raabe

Refrain: Du stellst meine Füße
auf weiten Raum
und ich traue mich, mutig zu gehen.

Feste Schuhe, leichte Schritte
und am Horizont ein Ziel,
Wegbegleitung hin zur Mitte
und ein sicheres Asyl.
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.
Refrain
Gute Wege, starke Brücken,
wo Morast ist, festen Stand,
Hinweistafeln ohne Lücken,
einen Stock in meine Hand:
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.
Refrain
Einen Engel mir zur Seite
einen, der mir Mut zuspricht,
Ruheplätze, Brot und Freude
und ein Lächeln im Gesicht:
Das gibst du mir,
du, Gott, ich danke dir.
Refrain

(c) Wilfried Schumacher mit Material von MISEREOR

Samstag nach dem 4.Fastensonntag

Und siehe, eine Frau, die in der Stadt lebte, eine Sünderin, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers zu Tisch war; da kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran zu seinen Füßen. Dabei weinte sie und begann mit ihren Tränen seine Füße zu benetzen. Sie trocknete seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.
Lk 7,37 – 38

Maria Magdalena mit Salbgefäß – Wandmalerei um 1420 – (c) Kumbalam / Wikimedia Commons

Die gelbliche Verfärbung des Hungertuchs durch Leinöl und die Faltenwürfe des Stoffes zeigen die Spannung von Verletzung und heilender Fürsorge. – Leinöl wird aus Flachs gewonnen, der Lein-Pflanze, aus der man auch Stoffe webt. Leinöl hinterlässt auf dem Stoff gelblich-braune Flecken. Sie wirken wie Wundsekret, erinnern aber auch an Salben, die wir zur schnelleren Heilung auf Wunden auftragen.
In der Geschichte, die Lukas im 7.Kapitel überliefert, wird das Salböl der Frau zum Symbol der Sehnsucht nach ganzheitlicher Heilung:  ihre Tränen zeigen ihr eigenes Verletzt-Sein an und doch gilt ihre Liebe und Zuneigung in Form der Fußsalbung dem, der doch schon der Christus, d.h. Gesalbte ist. Verdrehte Verhältnisse? Wer schon einmal Kranke gepflegt hat, wird wissen, dass sie mehr geben können, als wir ihnen tun. Salben und gesalbt werden entwickelt eine wechselseitige Dynamik, wird buchstäblich fließend in den Übergängen.

Hungertuch konkret: : Ich frage mich, was ich wissentlich anderen zugefügt habe; was ich billigend in Kauf genommen habe, was unversöhnlich geblieben ist, wo Heilung nötig ist.

Ich kann beten am Ende dieser Woche:
Nimm in deine Hände, barmherziger Gott
meinen fehlenden Blick für den Schmerz anderer.
Nimm in deine Hände, barmherziger Gott
meine Ignoranz gegenüber globalen Zusammenhängen.
Nimm in deine Hände, barmherziger Gott
meine Nachlässigkeit im Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten.
Nimm in deine Hände, barmherziger Gott
meine fehlende Liebe zu mir selbst und allem, was mir geschenkt ist.
Nimm in deine Hände, barmherziger Gott
meine zu geringe Bereitschaft zu verzeihen.
Guter Gott, nimm alles, was falsch war, in deine barmherzigen Hände und erfülle uns neu mit dem Geist deiner Liebe durch Christus, unseren Herrn.

(c) Misereor-Material

Freitag nach dem 4.Fastensonntag – Fest des hl. Josef

Er sagte zu mir: Menschensohn, stell dich auf deine Füße; ich will mit dir reden. Da kam Geist in mich, als er zu mir redete, und er stellte mich auf meine Füße. Und ich hörte den, der mit mir redete.
Ez 2, 1-2

(c) MISEREOR

„Stell Dich auf die Füße“, so beginnt die Berufung des Propheten Ezechiel. Aufrecht soll der Mensch vor Gott stehen. Aufgerichtet, nicht zusammengekauert. Der mehrfach zerbrochene Fuß, „Vorbild“ für das Hungertuch, lässt das aufrechte Stehen nicht zu. Er wird zu einer Mahnung, dass wir nicht nur aufrecht stehen dürfen vor unserem Gott. Wir müssen aufrecht stehen vor allen, die die Menschenwürde in den Schmutz treten. Wir müssen aufrecht widerstehen gegenüber allen Versuchen, den Menschen auszubeuten, zu unterdrücken, ihm Gewalt anzutun. Dazu sind wir berufen – wie einst Ezechiel!

Hungertuch konkret: Wo und wann stehe ich auf, wenn es um die Würde des Menschen geht?

Zum Namenstag gratuliere wir allen, die Josef, Josefa, Josefine heißen. Ein herzlicher Glückwunsch.

(c) Wilfried Schumacher